Connection

In der molligen Aprilsonne. Die Vögel singen rhythmische Lieder. Mal mehr mal weniger. Ich lausche. Aufbruch, Bewegung, Verbindung. Alles bewegt sich im eigenen Rhythmus, wächst, vermehrt sich; ganz aus sich heraus und dennoch verbunden. Ich bin ein Teil; nehme auf. Die Bilder und Worte in meinem Kopf kommentieren nur. So schön der Faden, der diese gefühlten Gedanken zu denen von Kae Tempest in ihrem herrlichen Büchlein „On Connection“ spinnt. Es ruht auf dem schmuddeligen Tisch neben dem Tee – ruft danach, aufgenommen und zitiert zu werden:
„Each time I have walked into strange rooms with poems to tell, I have had to confront my own insecurities and judgements about who I was talking to and why, and each time I was taught something about what connects us being more powerful than what divides.“ (S. 23)
Später dann: „People have different things to respond to. I am no one to judge how someone hast come to a conclusion. I am no one to judge what conclusions someone has come to. I dont want to change minds any more. I just want to connect.“ (S. 33).
Dieser Fluss von wunderbaren Worten verbindet. Weckt kreative Neuronenblitze. Stoff zum Sinnieren. Er öffnet viele Fragen. Ist nicht jede Äußerung ein, wenn auch unbewusster, Versuch jemanden oder etwas zu ändern? Mich selber weiter zu entwickeln? Als Teil der Welt. In ihr aufzugehen? Der Satz hat mein Denken verschoben, einen Spalt gehobelt. Eine der leeren, offenen Lücken, die voranbringen. Jetzt spazieren und den Boden spüren, mit dem Boden verbinden.

Kae Tempest (2020) On Connection, London – Immer wieder höre ich auch ihre wunderbare Platte „Let them Eat Chaos“.

In die Leere wachsen

(18) Der Buddha sprach: „Meine Lehre besteht darin, den Gedanken zu denken, der undenkbar ist, die Tat zu tun, die nicht getan werden kann, die Sprache zu sprechen, die nicht ausgedrückt werden kann und mich in der Disziplin zu üben, die jenseits der Disziplin ist. Wer dies versteht, ist nah, wer davon verwirrt wird, ist fern. Der Weg ist jenseits von Worten und Ausdrücken und wird von nichts Irdischem gebunden. Verlieren wir ihn nur ein paar Zentimeter aus dem Blick, verfehlen wir ihn nur für einen Augenblick, dann sind wir für alle Ewigkeit davon entfernt.“ (Aus der 42-Kapitel-Sutra ( https://en.wikipedia.org/wiki/Sutra_of_Forty-two_Chapters)


Im Spaziergang sein. Weit weg von jeder Tätigkeit. Im Frühling, der brachial über die zerregneten Wochen hineinbrach. Sie auflöste. Frisches Grün erweckt totes Gehölz. Eine Frau am offenen Fenster. Sie streckt sie sich den strömenden Sonnenstrahlen entgegen. Eine Tasse in der Hand. Sie ist. Alles klingt nach „Sein“. Ist es auch – und dennoch nicht. Wie die Pause zwischen dem Ein- und Ausatmen. Wenn wir versuchen sie festzuhalten, ersticken wir. Ohne dieses Leere, diesem dazwischen, gäbe es kein weiter, keine Möglichkeiten, kein Werden.
In der Leere zu sein ist die wahre Lehre. Nur in ein leeres Gefäß kann die Präsenz einfließen. Es darf weder von Vergangenem, Anhaftendem noch von Träumen in Richtung Zukunft verstopft sein. In der Leere gibt es weder Glück noch Leid. In einer Leere sein, deren Sinn nicht ausgesprochen werden kann. Darum ist sie so schön – unbeschreiblich.