Mit Wu Wei (無為) entstand dieser Blog aus dem Nichts. In einer die Seele entleerenden Mittelmeeridylle. Nichts bedeutet, wie man sieht, nicht „nichts“ – etwas, der Blog kam in die Welt. Genauso heißt Wu Wei nicht „nichts tun“ („nicht handeln“). Es geht darum zu erleben, dass, wenn wir handeln, nicht „nicht-handeln“. Es geht um ein „Handeln“, dass den meisten der dominierenden westlichen „Erkenntnis-“ und „Wissensgetriebenen“ Denkungsarten leider allzu fremd ist. Aus dem schönen Buch über die „Grundlagen der chinesischen Philosophie“ strömte entspannt, beim gurgeln der Wellen, umfangen von der warmen Mittelmeersonne, folgende Geschichte in meinen Geist: „Ein Bauer fällt alle Bäume, die ihm nach Wuchs und Gestalt für die verschiedensten Zwecke nützlich sind. Aber ein uralter Baum ist immer stehengeblieben. Er war zu „Nichts“ nutze, und das hat ihn gerettet (…). Aber hat der Bauer nicht dadurch, daß er ihn nicht fällte, seinen Nachkommen und allen Gästen, die sich in seinem Schatten labten, die Umwelt verbessert und so sehr weise gegandelt?“ (1).
Die westliche Ergebnis- und Erkenntnisgetriebenheit mit ihren Effizienztechniken und Rastern ist bestrebt alles zu fällen (zu nutzen), was in einem numerisch definierten Feld zu verwerten ist. Perfide ist, es wird versucht alles zu erfassen! Dabei fallen die Dinge, die auf den ersten Blick nicht gebraucht werden, gnadenlos der industriellen Axt zum Opfer. Die weiten Wasser der Meere werden ebenso verschmutzt, wie die geschändete Erde in Abraumhalden dahinsiecht oder die Luft von den Abgasen der Motoren und Industrien verpestet wird. Im Handlungswahn, getrieben vom Wissen um die Nützlichkeit. Die Natur wird durch die wucht der Technik zum Verschwinden gebracht, wie Heidegger es so schön traurig beschreibt. Der Rhein wird nicht mehr als Fluss gesehen, der nur für sich dahinfließt, der für sich da ist. Der, wenn wir ihm begegnen, so genossen werden kann, wie er ist.
Heutzutage ist die Natur nichts als Funktion, ihre Unendlichkeit wird in Tabellen, Papern und Listen eingefangen und verwertet. Sie wird nach Heidegger „bestellt“ um zum Beispiel Energie zu gewinnen, der Schiffahrt – oder unausgesprochen – als Müllkippe zu dienen (2). So werden die sich einst romantisch ihren Weg durch Täler windenden Ströme mit ihren Auen zu verseuchten, leblosen, eingezwängten Kanälen. Dies Denken ist ebenso betoniert, wie die ewige Ideologie des Wachtums, für das immer neue Strategien erforscht und die Gehirne der Kinder mit bunten Bildern gewaschen werden. Die Lernmaschinen der Universitäten und Institute in Verbund mit der Ökonomie erdenken in ihren Papern, Tabellenkalkulationen und Strategien immer neue Wege den Prozess zu beschleunigen. Dieses berechnende Denken lässt kein Raum, keine Weite und Leere um auf „Sein“ zu achten. Es sein zu lassen. Zu studieren. Alles fokussiert sich Teleologisch, auf ein verwertbares Ziel hinaus. Die Menschen werden wie die Natur verformt und verbildet um in der Maschine ihren Platz zu finden. Wo ist da Erkenntnis? Oder besser was ist das bitte für eine Form der „Erkenntnis“, die nichts mehr kennt, die wunderbare Natur vergessen hat?
Die letzen Bäume im absterbenden Garten dieser Welt sind für mich die frischen Gedanken und Aktionen einer Jugend, die ihre eigenen Gedanken hegt und pflegt. In ihren Nicht-Handlungen stören sie den Fluss der Maschinen, speziell den Verkehr.
Ich werde jetzt besser langsam und bedenklich den Boden erspüren, der uns trägt um über das „nicht-handeln“ zu meditiern. Meine Praxis muss die Nicht-Praxis sein.
(1) Geldsetzer, L, Han-ding, H. (1998) Grundlagen der chinesischen Philosophie. Reclam, Stuttgart; S. 84
(2) vgl. Heidegger, M. (1953) Die Frage nach der Technik)
