Beben

Gestern und heute Morgen hat in Kreta die Erde gebebt. Ein Mensch ist gestorben. Alles, was fest scheint, selbst der stabilste Fels, ist vergänglich. Zieht vorbei, wie das Beben an mir. Ich war am Strand, habe in den Sonnenaufgang geatmet, der jeden Morgen kommt und am Abend geht. Immer wieder anders. Habe mit der frischen Morgenluft meine Lungen gefüllt. Die Natur hat die Energie gegeben und den aus mir strömenden Luftzug wieder angenommen. Alles ist verbunden. Kein Stein, kein Sandkorn hat sich bemerkbar gemacht. Gaia schwieg unter mir.
Brutal ballen die Wolken sich über dem Massiv der Berge mit der göttlichen Grotte, Idaion, zusammen. Keine kriegerische Horde wirkt bedrohlicher, unaufhaltbarer. Dennoch lösen sie sich in der hitzigen Sommerluft auf. Ins Nichts.

Befremdliche Zeugnisse

Alles ist unbeständig und chaotisch – in Bewegung, im Werden

Vor ein paar Tagen erreichten mich im quadratischen Fenster des Mail Clients zwei „Informationen“ aus der Arbeitswelt. Befremdliche Zeugnisse einer befremdlichen Welt. Sie erregten in mir nur ein süffisantes Lächeln. Das Lächeln, das sich lächelt, wenn man über den Zustand der Welt eigentlich heulen sollte. Doch aus der Distanz war die innere, spöttische Erregtheit ein wenig mit Arroganz gepaart. Ausgelöst durch diese entfremdeten, traurige Statements des Verlorenseins der Menschen in der digitalen Maschine. Sinnlos in dem Sinne, dass sie in Form und Inhalt völlig fern von jeder sinnlichen Erfahrbarkeit liegen. Eine Mail beinhaltete den Status eines Forschungsprojekts. In Form einer unsäglichen SAP Liste, die kein normaler Mensch zu lesen vermag oder gar zur Kenntnis nehmen sollte. Die andere enthielt drei Excel Tabellen, voll von wirren Zahlen, Kürzeln und Werten. Beide ein Ausdruck der Entmenschlichung dessen, um was es ging – Forschung und Lehre – kurz Studium; eigentlich sogar, so will ich mal sagen, der Welt. Teile eines transzendentalen Programms (einer Vor-Schrift), denen wir alle zu folgen scheinen, folgen sollen und (mich eingeschlossen) oft vermeinen zu müssen. Lächerlich. Ich habe die Mails und Tabellen sofort gelöscht. Sie sind so vergänglich, egal und sinnlos wie alles, an dem sich schwache Menschen (speziell Bürokraten) in ihrer quantifizierten, kleinen, gekästelten, armseligen Welt klammern. In der Hoffnung, sie kontrollieren zu können.


Welt ist ein chaotischer Taumel. Schroff, durchlöchert, bewegt, immer in Veränderung, vergänglich. Keine klaren Ecken und Kanten, keine wirklichen Grenzen. Nirgends ist sie so, wie es die moderne Welt glauben machen möchte. Die Oberflächen mit ihren Quadraten, Icons und Fenstern, die Zellen der Tabellenkalkulationen, die Raster der Städte (die nicht mehr aus sich wachsen) formulieren die Entfremdung der Menschen von sich und der Natur. Langweilige Versuche etwas zu kontrollieren, was nicht zu kontrollieren ist. Noch langweiliger ist das Studium derartiger Objekte. Auch wenn viele Menschen sie zur Ultima Ratio erklären.
Ausatmen. Qualität. Für uns Menschen sollte es nur eine beherrschende Quantität geben, die im Rhythmus der Wiederholung fußt. Diese kommt ohne Gleichförmigkeit daher: Jeder Atemzug ist anders. Ein und aus, wie das rhythmisch-chaotische rauschende Spiel der Wellen. Kommen und Gehen. Jeder Atemzug ist einer weniger auf dem Weg zum Tod. Die Anzahl ist nicht bestimmbar. Nie.

Aus-Zeit… Ziel: Die Leere

Das Prinzip: 無為 Wu Wei – Nicht handelndes Handeln. Wird nicht gedacht und gemacht. Keine Machenschaften. Es geschieht. Es geschieht mich. Nicht arbeiten, nicht wollen – Sein. Was nicht bedeutet, nicht tätig zu sein. Den Weg gehen.

Die ersten zwei Wochen: Verbindung mit den Elementen und 13 tollen Menschen. Himmel – Mensch – Erde / (P.S. – das bin nicht ich, sondern jemand aus der Gruppe ;o))

Erdung – Geerdet

Meine Gedanken sind Luft. Bewegt zirkulieren sie mal stürmischer, mal ruhiger im Kopf, versetzen ihn in Aufruhr oder plätschern wie eine sanfte Brandung vor sich hin. Auch wenn sie nur zu säuseln scheinen, sind sie da. Tanzen ihren eigenen, chaotischen Tanz. Wirbeln durcheinander wie ein Schneegestöber. Nicht selten ziellos, unzusammenhängend. Einfach nur wirbelnd. Wenn der sitzende Fels sie erdet, beruhigen sie sich. Wie sanfte Wellen beginnen sie zu plätschern; kommen, um zu verschwinden. Eine Verortung im Fels vermag ihnen Ruhe zu geben – und Präsenz.
Morgens durch den Stein geerdet, die Gedanken vom Wind wegblasen lassen; Medizin für Körper und Geist.