Zahl und Tod

„10. November 2020. Claus ist kaum mehr bei Bewusstsein. Die Ärzte schreiben in die Akte: „Verschlechterung Allgemeinzustand. Patient somnolent. Fieber 39,1. Sättigung 84% bei Raumluft. TAA bis 140“. Zahlen. Zahlen. Zahlen.
Ein Krankenhaus funktioniert manchmal wie ein Rechenzentrum. Menschen werden zur komplexen Gleichung. Jedes Organ, jede Bewegung, jeder körperliche Zustand steht hier auf piepsenden Monitoren. Und wenn ein Mensch nur noch aus Werten und Zahlen besteht, braucht es andere Menschen, die mit ihnen rechnen. Ärzte. Das ist, was besonders Intensivmediziner lernen. Ausrechnen. Aufschreiben. Auswerten. Interpretieren. Und mit dem Ergebnis Entscheidungen treffen.“ (https://www.zeit.de/gesundheit/2022-05/corona-intensivpatient-krankenhaus-aerzte-behandlung)

Desto mehr ich über Zahlen lese, desto mehr fällt mir der Wahnsinn unserer Welt auf. Der Mensch, Natur, Tätigkeiten, Beziehungen… alles wird auf die Zahl gestellt. Mit brutalen Konsequenzen. Es gibt nur eine Alternative: Die Lücken im System finden, Regeln aushebeln. Für die Menschen, für die Natur, für eine menschliche Arbeit, für ein menschliches Lernen und Forschen Einsatz zu zeigen. Emanzipation für etwas, keine Partizipation, kein Bekämpfen! Gerade durch nichts tun, das weit über die „0“ hinausgeht, schreiten wir voran. Denn aus dem Nichtstun erwächst das Sein, erwächst das Neue, das Frische, das Lebendige. Autopoiesis. Aus sich selber heraus wachsen. Wie die altgriechische Physis, die das Potenzial, die Kraft beschreibt, die aus fast nichts alles heraustreiben kann. Das Wunder des Samens, aus dem ein Baum wächst. Alle großen Dinge fangen im Nichts und somit ganz klein an. Auch wenn der Mensch den Ast absägt auf dem er sitzt. Die Natur treibt immer wieder aus. Ohne Berechnung. Einfach so – wie im Bild.