Naturglück

Das Leben wuchert in vollsten Farben. Grün, grün und nochmal grün. Durchsetzt mit bunten Farbklecksen. Am meisten knallt das Ultramarinblau des Rittersporns. Dem Blau der Tiefe und Weite des Meeres. Nicht einmal Yves Klein hätte es so hinbekommen. Da hilft aller Verstand, welcher den Menschen gegeben sein soll, nichts. Die Natur ist das Glück in sich selber. Was hat angesichts dessen all das Werkeln, Tun und Schaffen für einen Sinn? Welt, Natur bahnt sich immer wieder einen Weg. An den verwunderlichsten Orten, auf die verwunderlichsten Weisen. Wie die Fledermäuse, die in einer lauen Junidämmerung in waghalsigen Manövern lautlos und geheimisvoll durch den Himmel gleiten.

Natur wuchert überall. Sie benötigt keine Menschen.


Dem Homo Sapiens, der immer so schlau tut, hat nur eine Möglichkeit: Sich seiner Naturhaftigkeit zu besinnen, dieser gewahr zu werden. Demütig realisieren, dass alles wunderbar vergänglich ist. Sicherlich, ein Individuum überlebt mit hoher Sicherheit die Blüte des Rittersporns, der schon im Spätsommer verblüht sein wird. Ein Vergehen im Werden. Wunderbare Welt. Jedes Einzelding, jedes Wesen zählt und zugleich nicht. Nur der Mensch sieht sich gerne einzigartig, individuell. Gefangen in seinem verzerrten Selbstbild, durchdrungen von Nöten und Ängsten. Natur ist. Sie wird auch sein, wenn wir alle wieder zu Erde geworden sind.
Die Welt, unsere Existenz ist Krise und Hoffnung zugleich. Ich wünsche all den Soldaten in den Schützengräben, all den Hungernden, all den gepeinigten und auch all den fettgefressenen Menschen in ihren Villen und Jachten, dass sie das Glück und die Fähigkeit haben das Blau des Rittersporn betrachten zu können. Im Moment.