Rede und Meinung

Die Vier rechten Anstrengungen

„Die Vier rechten Anstrengungen
Was ist aber, ihr Mönche, die heilige Wahrheit von dem zur Leidensauflösung führenden Pfade?

Dieser heilige achtfältige Weg ist es, der zur Leidensauflösung führende Pfad, nämlich: rechte Erkenntnis, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechte Tat, rechter Lebenserwerb, rechte Anstrengung, rechte Achtsamkeit, rechte Sammlung.. –

Was ist nun, ihr Mönche, rechte Erkenntnis? Das Leiden kennen, ihr Mönche, die Entwicklung des Leidens kennen, die Auflösung des Leidens kennen, den zur Auflösung des Leidens führenden Pfad kennen: das nennt man, ihr Mönche, rechte Erkenntnis.
[…]
Was ist nun, ihr Mönche, rechte Rede? Lüge vermeiden, Verleumdung vermeiden, barsche Worte vermeiden, Geschwätz vermeiden das nennt man, ihr Mönche, rechte Rede.

Was ist nun, ihr Mönche, rechte Tat? Lebendiges umzubringen vermeiden, Nichtgegebenes zu nehmen vermeiden, Ausschweifung zu begehen vermeiden: das nennt man, ihr Mönche, rechte Tat.“ (1)

Seit den frühesten Tagen der Literatur, die zugleich als Philosophie begriffen werden kann, wird über die Sprache gesprochen. Sie kann Wahres bezeugen – jedoch auch von Falschem berichten (2). Die Griechen, wie schon Parmenides (3) unterschieden zwischen den „doxa“, den Meinungen und der Wahrheit, der „aletheia“. Letzterer Begriff ist bei Heidegger der Ort, in dem sich unsere Ek-sistenz lichtet. Der momentane Ort der „Unverborgenheit des Sein“ (4). Der Kegel des wandernden Scheinwerfers auf der Bühne des Lebens, der im Jetzt das flüchtige Sein im Da beleuchtet – bevor es im Strom der Zeit weiterwandert, sich das Sein erneut verdunkelt.
Ebenso fügen sich die Worte der Sprache, die Bilder und Symbole im Strom der Gedanken, die unser Sein ausdrücken zusammen. Kommen und vergehen in einem unendlichen Fluss. Was soll da diese Rede von ewigen Wahrheiten? Schon der Gerede von „Ich“ verflüssigt sich bei jedem Schritt. Wird immer wieder anders. Daher scheint es ratsam mit der Sprache, den Meinungen sorgsam umzugehen. Leidhafte Gedanken, böse Rede, dunkle Wahrheiten führen schnell zu schädlichem Handeln. Bringen Leid und Schmerz in die Welt.
Um dies zu vermeiden hilft ein konzentrierter, klarer Blick auf den nie versiegenden Gedankenstrom. Trainieren wir nicht nur unseren Körper und unseren Geist. Er benötigt tägliche Praxis in Willenskraft, Klarheit und Konzentration. Sie müssen geübt werden. Das Gegenprogramm zum Leid der gehetzten materiellen Welt, die uns mit ihren röhrenden Lautsprechern und verführerischen Bildern, einzig wahren Büchern der Religionen und Ideologien, „schnellen Schüssen ins Gehirn“ (5), fett gedruckten Imperativen und subtilen Messages immerfort vom Weg abbringt.

(1) Mahāsatipatthāna Sutta, Die Grundlagen der Achtsamkeit
https://www.palikanon.com/digha/d22.htm

(2) „Hirten der Flur, unnüz hinträumende, Bäuche nur einzig!
Wir verstehn viel Falsches, wie Wirklichem gleich zu verkünden;
Wir verstehn, wenn wir wollen, auch anzusagen die Wahrheit.“ Hesiod, Theogonie (ca. 700 v.Chr.) https://www.projekt-gutenberg.org/hesiod/theogon/theogon.html

(3) Parmenides von Elea, Fragmente (http://www.zeno.org/Philosophie/M/Parmenides+aus+Elea/Fragmente/Aus%3A+%C3%9Cber+die+Natur)

(4) vgl. Heidegger, M (1993) Sein und Zeit. Niemeier, Tübingen und spätere Aufsätze

(5) Kroeber-Riel, W (1996) Bildkommunikation.Vahlen, München S. 53