„Nicht der Privatmann[particulier] mit gutem Willen und naturwüchsigem Denkvermögen, sondern ein Einzelner[singulier] voll bösen Willens, dem das Denken mißlingt, in der Natur ebenso wie im Begriff. Er alleine ist ohne Voraussetzungen. Er alleine beginnt wirklich und wiederholt wirklich. Und für ihn sind die subjektiven Voraussetzungen ebenso Vorurteile wie die objektiven, sind Eudoxus und Episemon ein und derselben Betrüger, dem man zu mißtrauen hat.“ (1)
Fest hängt es im Rahmen, oder besser – es ist mit hartnäckiger, wetterfester Farbe auf beständigen Beton gemalt. Unverrückbar, zementiert. Mit Mühe und Zeit bringen meine trägen Gedanken es in Bewegung. Eine leichte Verschiebung ist zu verspüren, kaum bemerkbar. Es scheint nach wie vor an der gleichen Stelle zu kleben; Sisyphos. Doch der war in wiederholender Bewegung. Der Kampf darum, alte, festgefahrene Bilder aus dem Kopf zu bekommen ist härter, als ich dachte. Wie viele Jahre schon lese ich Deleuze? …seit dem Studium. Das Rhizom als Metapher für die neuen Medien habe ich verinnerlicht. Bewegliche Konnektivität mit volatilen Knoten. Nichts ist fest. Mit der Ideologiekritik der „Post-Strukturalisten“, die keine sind, habe ich Rhizom gemacht. Doch immer wieder verfalle ich in die alten, platonistischen Schemata; kriecht das gefrorene „ich denke also BIN ich“ in meinen Kopf. Feste Objekten und Bilder haben sich über Jahrzehnte festgefräst. Das „Werden“, die „Unbeständigkeit“ die ich meine durch die Nietzsche Lektüre und Meditation verinnerlicht zu haben, werden vernachlässigt, unterdrückt, vergessen. Sie sind so schwer fassbar, nicht fest zu halten. Ein Illusion, es zu wünschen. Tief sind die Spurrillen des „Identitäts-Dekens“ in meine Denkwege eingekerbt. Schwere Wagen der westlichen Denktradition haben ihre Rillen durch Erziehung, Schule, Ausbildung und Ideologie-Bombardement fest eingegraben.
Eine Deterritorialisierung, ein Ausbrechen zu neuen Denkhorizonten muss immer aufs Neue geübt, trainiert werden. Über den Rand kommen, ausbrechen, bösen Willen üben. Umwertung aller Werte, ohne sich zu verlieren, ist Programm. Ewiger Ikonoklasmus.
(1) Deleuze, G. (1992) Differenz und Wiederholung. Fink, München S. 171