Wer spricht?

Die Wellen reden mit mir. Sie grollen und rufen, gurgeln und blubbern, donnern und schmatzen…ich lausche. Meist Geist verbindet sich, formuliert Wortblasen. Der Wind redet mit mir, mit meinem ganzen Körper. Er antwortet oft automatisch, mal mit Freude, mal weicht er aus. Ich bin Natur. Vergänglich wie die sanft rollenden, plätschernden Wogen, die den Fels zum warmen Sand zermahlen. In Bewegung, sich ewig wiederholend, immer anders.
Mein Geist spricht immer dasselbe, wird von der Welt angesprochen…wird. Sanfte Bewegung der sich auflösenden Gedankenwellen. Doch am Horizont droht die Hektik. Rasend werde ich über die Berge und das Meer getragen, in wimmelndes Geplapper hektische Betriebsamkeit. Es hat so gar nichts mit den Rhythmen der Natur gemein. Welscher Rhythmus ist der meine? Sicher nicht der fremder Maschinenrhythmus, der bedrängt, in eckig-gerasterte Bewegung treibt. Ein Rhythmus, der nicht spricht, sondern nur stößt, drängt, zieht
Desto mehr Natur meine Gedanken über die Wolken hinaus mit in die Stadt nehmen, desto schneller werde ich in der Heimat wieder geerdet sein. Dort werde ich mich erinnern. Daran, dass mein Atem den frischen Hauch ersehnt. Meine Füße sprechen am liebsten mit dem Boden… Ziel ist es Welt mit mir zu verbinden. Ich bin Natur. Wasser fließt gurgelnd durch mich, der Atem pfeift, Licht wärmt sanft. Welt spricht eine einfache, meist leise Sprache. Das Rauschen der Blätter im Herbst schwillt oder raschelt – sanft wie die Wellen am Meeressaum.

Sandsturm

Der feine Dunst war weit über das Meer gereist; wie wir. In der Sahara aufgewirbelt, trieb er über die Insel. Als wir an gutbekannten Gestaden landeten, begrüßte er uns. In Form eines geheimnisvollen, gelbroten Himmels, durch den die Sonne zwischen verschwommenen Wolkenformationen verwunschen schimmerte. Die seefrische Luft umwehte uns feucht-trocken. Philosophisch gesprochen war es wie immer und doch anders. Das Meer, die Weite, alles schillerte in fremden Farben. Befand ich mich auf dem Mars? Eine apokalyptische Atmosphäre, in die wir eingetaucht waren. Vereinzelte Regentropfen, die sich ihren langen Weg gebahnt hatten, versammelten die feinen Partikel. Kleine braunrote Kreise musterten sich auf allen Oberflächen.
Natura naturans at its best. Natur schöpft sich aus sich selber. Sie gebiert in ihrem Sein Momente, die uns staunen lassen. Ein Staunen, hinter dem all die geschaffenen Dinge verblassen. Einkehr und Ankommen in einen Moment, der bedenklich zum denkenden Verweilen ruft. Aus der Hektik der Reise heraus kehrt beschauliche Ruhe ein. Die Wellen glitzern in einem fremden Türkis, gluckern und rauschen dennoch in ewiger Stete vor sich hin. Der Fluss der Welt, des Lebens.
Am folgenden Tag wird überall geputzt und gewaschen, der Staub, das erhabene Erlebnis weggekehrt. Nur die besinnliche Erinnerung bleibt. Momente gerinnen zu Geschichten.