Der große Andere

Die Sonne, die strahlend vom unendlichen Firmament strahlt, erscheint mir real. Warm, sanft, nährend. Die blaue Weite steht gelassen über dem satten Grün in seinen leuchtenden Schattierungen der entfalteten Büsche, Bäume, Blumen und Gräser. Sie sind da. Unsichtbare Bänder verbinden mich mit dieser Welt, wenn ich meinen Blick hinausgleiten lasse, sie voller Ruhe insauge. Einzelne farbige Blütenflecken, das immer andere Zwitschern der Vögel. Eine reale Ordnung.
Darunter wir Menschen, gefangen in einer beweglichen Stasis symbolischer Ordnungen. Anrufungen bar jeder Ruhe und Gemächlichkeit. Krankmachender Forderungen, die wir zu ignorieren, nicht wahrzunehmen gewohnt sind; mit denen wir leben, die wir uns angeeignet haben, die uns von innen und außen zerfressen und treiben. Selbst wenn wir wissen, dass diese symbolische Ordnung des Geldes, der Macht, der Institutionen, unseres Images nichts als Schall und Rauch sind. Krampfhaft versuchen wir, sie aufrecht zu erhalten. Selbst wenn dieses unsichtbare Netz von Befehlen uns zu zerfressen droht. Gehorsam wie dummes Vieh folgen wir den Bahnen der Imperative der Macht. Zerrissen, zweifelnd, ängstlich und ungläubig – wie die grauen Gestalten in Kafkas Romanen. Manchmal rätselnd, ohne Wissen darum was uns antreibt – obwohl wir es wissen. Nur einmal genau schauen, in uns gehen – schon entfaltet sich das kalte Netz, das wir dennoch aufrechterhalten. Ein ideologisches Glaubenssystem.
Der Kollege, neben mir in der Sonne am Eingang der Finkenau auf der kühlenden Steinbank blickt traurig in die ergrünende Welt. Wir sprechen über Emails, deren Frust, Angst und Ohnmacht über den Reformprozess der seine kalte Hand zu unseren Seelen ausstreckt. Ich sage, sie sollten sich selber finden. Die Ordnungen hinter sich lassen. Strukturen sind keine Inhalte. Inhalte sind dort, wo das Herz schlägt. Begeisterung, Verbindungen oder besser Beziehungen, die etwas schaffen; etwas bewegen, benennbar sind. Nur daraus kann Zufriedenheit entstehen. Kraft, den Ordnungen und Anrufungen, die uns krank und traurig machen, zu widerstehen. Kraft, eigene Nicht-Strukturen aufzubauen, die uns nähren, satt und glücklich machen. Ich genieße die Sonne.