Dunkle Gefühlswolken strömten mir vor ein paar Tagen auf der Arbeit entgegen. Wie ein kalter Herbstwind, hinter dem ein Sturmtief lauert und die Haut zittern lässt. In den Augen meines Gegenübers blitzt es. Der Blick verkniffen, trübe, verregnet. Ich atme ein, atme aus; versuche die Welle dunkelnebelig-aggressiver Energie an mir abprallen zu lassen. Welch ein Damm ist da gebrochen, wurde vom Rinnsal zur Welle?
Ja, dort sitzt er wie ein nassgeregneter Hund. Er schüttelt, windet sich, um die an ihm haftende klebriger Feuchte in die Welt zu spritzen. Ein Hund, der sich nicht traut laut zu bellen, dennoch nicht loslassen kann. Mich erreicht ein schon fast ängstliches knurren. Ich versuche, klar zu bleiben, zu beschwichtigen. Meine Worte versagen. Wiederholte Sätze vermögen es nicht den düster giftigen Odem aufzulösen. Das knurrende Gewinsel schiebt sich immer wieder, kreisförmig drehend in den engen Raum zwischen uns. Verpesteter Atem. Sätze, die sachlich klingen und dennoch nichts anderes sprechen als Frustration, Angst. Sie gerinnen immer wieder zu verstohlener Wut. Persönliche Angriffe, die nichts mit der Sache zu tun haben. In mir entsteht neben Betroffenheit das Gefühl der „Peinlichkeit“.
Was knurrt er mich an? Es sind nicht meine Frustrationen, meine Aggressionen. Was mir bleibt, ist eine Mauer zu errichten, zu versuchen, das Tosen zu ignorieren. Die Wellen, die bei mir ankommen im Zaum zu halten, meinen Geist liebevoll zu umfassen. Ich versuche die schwarze Energie, die an mir vorbeiströmt, ins Leere fließen zu lassen. Es gelingt zum Teil, nicht gänzlich. Es kostet Willenskraft und Anstrengung, den dunklen Wolken zu begegnen.
Es rettet der Atem, mein Atem. Sanft umwiegt er mit jedem Schritt den Geist. Auf dem Heimweg von der Arbeit brauche ich ein wenig, um wieder ein Lächeln auf mein Gesicht zu zaubern. Ein Lächeln, das Mitgefühl für diesen Menschen zu empfinden versucht. Diesem Menschen, der es nicht schafft, in sich selber Ruhe und Frieden zu finden. Wie so viele.
Was eine Menge Wut ist da in der Welt. Hervorgerufen durch Neid, Selbstsucht, Kontrollzwang, dem besitzen wolle von Dingen. All dem, das nicht glücklich macht. Nicht sich selber, nicht die Menschen um sich herum. Ach, denke ich, soll er alles haben, was er begehrt. Mich interessiert nichts davon (was als Besitz von „Nicht wollen“ ausgelegt wird). Woher kommt sein Gefühl der Ungerechtigkeit? Was zeigt sich in dem Moment, in dem die oft kindlich, verspielt-freundliche Fassade dieses Menschen bröckelt? Er ist ein stechender Schmerz, verdrängter, schwerer Verletzungen, die an die Oberfläche treiben.
All das Geknurre und aggressive Gesabber hat nichts mit mir zu tun. Ich suche das Auge des Hurrikans. Das einzige Rezept welches hier hilft, ist loslassen, verlassen. Ich freue mich darauf, diesen Menschen nicht mehr sehen zu müssen. Möge er sich finden und in sich glücklich werden. Ich atme ein. Beim Ausatmen zaubere ich ein Lächeln in mein Gesicht.