Ankommen – immer wieder

Deja Vu wird es oft genannt. Gleicher Ort, gleiche Person, gleiches Ereignis treffen aufeinander. Nur nicht in der gleichen Zeit. Doch was spielt das für eine Rolle? Was zählt ist das „Jetzt“. Das Jetzt ist in Allem, ist immer da und doch nie. Unendlich klein, wie schon Augustinus es beschrieb – zugleich unendlich umfassend. Darum ist es immer neu. Bezogen auf das Ding, das wir „Ich“ nennen. Ein Ding, dass sich in jeder Nanosekunde neu findet, erfindet, konfiguriert. Sich und Welt. Ein huschender Scheinwerfer, der wild zuckend umherstreift. Hier zeigt sich etwas, dort nur fast, hier ein Schatten, dort eine klare Kontur. Kaum erfasst, schon verflüchtigt. Nichts kann er festhalten, nichts kann er zur Gänze ergründen. Immer fehlt etwas – am „Ding an sich“. Doch für uns ist in diesem und jenem Moment voll da, präsent. Die Illusion unseres Ich.
Was solls, ich freue mich. Die Mittelmeersonne strahlt, das Salz prickelt auf der Haut, der weiche Sand und der harte Fels streicheln meine Füße. Die Grillen zirpen, der Geist schweift. Philosophierend lasse ich die Idealisten, Hegel, die alethaia, die ewige Wiederkehr, was immer „da sein mag“ hinter mir und genieße. Den weiten Blick, der sich in der Unendlichkeit verliert, der sich mich verlieren lässt. Dasein, dass wie die heiße Sonne die Glieder und den Geist wärmt. Ich lese über das Denken der chinesischen Meister. Cho-Jie-In. Himmel – Mensch – Erde. In drei Tagen wird der Körper bewegt. Wie vor zwei Jahren und dennoch anders.