Einen Tag nach dem Post zum Begriff des „Studiums“ unterstrich der Hilferuf einer Studentin, die psychische Probleme hat, was ich schrieb. Zunehmend muss ich beobachten, dass bei Studierenden Angststörungen, Depressionen und anderer Probleme auftreten. Sicherlich durch Covid verstärkt, aber nicht erst seit Corona. Gefühlt nimmt dieses Phänomen seit etwa 5- 6 Jahren massiv zu (im Nachgang zum desaströsen Übergang vom Diplom zu BA und MA). Einige Studierende, die offen mit ihren Problemen umgingen, konnte ich zum erfolgreichen Abschluss geleiten. Zum Teil mit intensiver Beratung und psychologischer Unterstützung, die sich die Studierenden geholt haben. Leider gab es auch den Abbruch der MA Thesis einer sehr begabten Studentin. Einige Studierende sind schweigend aus dem Studium verschwunden, vielleicht, weil sie keine Hilfe suchten und fanden. Für mich ein nicht quantifizierbares Alarmsignal über den Zustand von Gesellschaft und Studium.
Es kann sicherlich auch daran liegen, dass die „junge Generation“ an sich schwach, nicht forderbar, überfordert, verwöhnt etc. ist, wie manche meinen. Ich muss jedoch feststellen, dass es sich bei den Betroffenen zumeist um hochbegabte und fähige Studierende handelt, die, wenn sie es schafften, im sehr guten bis guten Bereich abschlossen.
Ebenso könnte behauptete werden, dass wir „Alten“, die kurz vor der Rente stehen, ebenso verweichlicht sind. Warum sonst kommen von der Hochschule und Firmen gutgemeinte Angebote zur Stressbewältigung, für Tai Chi und andere netten, hilfreiche Dinge? Warum boomt der Markt für solche Kurse? Warum ist es so schwer, einen Therapieplatz zu bekommen…? Ist dies nicht auch symptomatisch? Ein Armutszeugnis für den Zustand der Hochschul- und Arbeitswelt? Vielleicht sogar unserer Lebenswelt.
Es ist unglaublich, wie viele Menschen in meinem persönlichen Umfeld, speziell solche in Positionen mit Verantwortung – von der Erzieherin, der Krankenschwester über technische Fachkräfte in Großunternehmen, Kolleg*Innen bis hin zum IT Projektleiter berichten, dass sie nicht mehr können oder wollen. Dass sie intensiv an einer „Exit-Strategie“ aus dem Berufsalltag arbeiten. Nicht nur, wenn das Gespräch auf mein Sabbat Jahr kommt. Oft bringt der Job, wie mir, noch Spaß. Doch die Belastung durch die Verwaltung, Email-Aufkommen, Bürokratie, Taktung, Normzahlen (Liste kann erweitert werden) etc. ist kaum noch zu ertragen. Zudem tragen die neuen Medien diese belastenden, jobfremden Tätigkeiten in die Wochenenden, Abende und die Freizeit. Allen Verlautbarungen der Verwaltungs- und Führungsebenen der Arbeitenden zum Trotz. Also auf zum nächsten Kurs, zur nächsten Verpflichtung, die – ach so freiwillig ist…
Ich kann nur dankbar sein, dass ich mir den Luxus dieser Auszeit erlauben darf. Das System hat keine Fehler, es ist der Fehler.