Philos

„Es sind zwei Freunde, die sich im Denken üben, das Denken selbst verlangt, daß der Denker ein Freund ist, damit es sich in sich selbst teilen und ausüben kann. Das Denken selbst verlangt diese Aufteilung des Denkens unter Freunden. Das sind keine empirischen, psychologischen und gesellschaftlichen Bestimmungen mehr, noch weniger Abstraktionen, sondern Früsprecher, Kristalle oder Keime des Denkens.“ (1)

Ich schwirre zwischen Immanenzebenen, versuche dem transzendentalen Sog zu umgehen. Wie Wirbelstürme verfestigen sie das Denken und verlieren das Werden, die Vergänglichkeit, der wir uns stellen müssen. Wie schön Denkfreunde zu haben, die den Weg geleiten, anregen, motivieren. Spiegel, die in einer Falte des Plateaus die kurzen Sekunden einer sich zugleich auflösenden Wahrheit zeigen. Blitzlichter, die Begriffe schaffen und zerstäuben.
Mir deucht, ein altes, uraltes Wissen. Im monolithischen Westen vergessen, nicht geübt. Dabei ist es so einfach, so banal. Im Hin und Her des Spiels bliebt nie etwas so, wie es erscheint. Alles ist immer anders. Selbst im unendlich kleinen Moment. Die Allverbundenheit, das zeitlose All-Eine. In ihm ruht die Möglichkeit zur Gelassenheit. Dem Zulassen, sich darauf-ein-lassen. Eins werden, ohne sich zu verlieren. Ja, die Welt erscheint paradox. Sie ist in sich paradox. Wie in diesem Zustand zu leben möglich ist, haben schon die alten Chinesen oder Inder begriffen. Im nicht-denkenden Denken, jenseits jeglicher Begriffe. Die Vergänglichkeit der symbolisierten Gedanken betrachten und und im selben Moment loszulassen ist eine Kunst, die geübt werden möchte. Wie die Lücke zwischen den Perlen der Perlenkette, die es immer weiter auseinanderzuziehen gilt. Bis wir deterritorialisiert das Ewig-Eine Territorium des werdenden, seienden Scheins durchwabern. Sich selbst, den Denkfreunden und der Welt ein philos sein…

(1) Deleuze, D.; Guattari, F. (1996) Was ist Philosophie. Suhrkamp, Frankfurt a.M. S. 79