Herbstgefühle

Ich erahne das Gefühl der Liebe in mir. Spüre ihm nach. Dem warmen Strahlen, das vom Bauch aus durch den Körper oszilliert, die Muskeln entspannt, den Körper tanzen lässt, ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Die fröhliche Zufriedenheit, wenn die Augen sich verklärt mit der Welt verbinden, jeder Atemzug ein wohliges Gefühl hinterlässt. Locker, leicht, lässig, von einer sanften Spannung umhüllt. Ich greife es, umhülle mich mit ihm, genieße es. Ohne Objekt.
Politik, die Welt, die Zukunft versucht hingegen immer ein schleimiges Gespinst über die Gedanken zu legen. Glitschig, transparent, fast unsichtbar, jedem Zugriff ausweichend, unheimlich, kalt und heiß zugleich. In ihm blitzen Splitter auf, der Nachhall von Informationen, die durch die Welt rasen, verdampfen, kurz ihre Hitze entfalten. Dann verflüchtigen sie sich. Zum Glück.
Die Stimmung mit liebender Wärme zu durchtränken, sich heimelig und wohl in sich und mit anderen fühlen: Das einzige Rezept gegen die kalte Welt da draußen. Wie eine Wärmflasche, ein gutes Buch, ein kuscheliges, geteiltes Bett im frostigen Winter. Was ficht mich dann der kalte Wind an? Wie vermögen es dann die dürren, kahlen Äste, die wie gierige finger in den goldenen Himmel greifen, krallen, mich zu erreichen. Sollen die verwirrten einsam leblosen Reichtum sammeln, an ihrem Machtstreben, ihrer Wichtigtuerei ersticken. Was kümmert es mich?
Dann das sitzen auf einem Kissen; zentriert, entspannt bei sich seiend, präsent. An nichts mehr gebunden sein. Ohne etwas oder jemanden zu verlassen. Der Moment, in dem der Winter schön wird, bleibt das kalte, dumm-wahnsinnige Geblubber der Politik draußen. Ausatmen.