Trauerweide

Beim täglichen Spaziergang frage ich mich, woher die Trauerweide ihren Namen bekommen hat. Strahlen ihre kleinen, frischen Blätter nicht schon früh gegen den grauen, verregneten Winterhimmel an? Rufen sie nicht in ihrem zarten Grün das Frühjahr herbei? Selbst durch den Nieselregen hindurch leuchten ihre filigran hängenden Ästchen mit den zarten Blättern wie Angelruten in Richtung des Gewässers.
Boten des schleichenden Wechsels, ein Ruf nach Sonne und Wärme, der sich alsbald erfüllen wird. Ich atme tief durch. Trotz der feuchten Luft schmecke ich das Voranschreiten, welches sich im Moment anschickt, die klamme Kühle des Winters zu vertreiben. Meine Mundwinkel verziehen sich zu einem sinnierenden Lächeln. Ich spüre die Steinchen auf dem Weg, wenn auch nur wage, während ich einen Schritt vor den anderen setze, ein Atemzug den nächsten ablöst. Wie die Jahreszeiten. Im jetzt. Es gibt nichts festzuhalten. In mir leben die Generationen, ich werde in den Folgenden aufgehen.

Was gibt es da zu betrauern?