Heute Morgen erwärmt die karg glimmende Vorfrühlingssonne die frostige Luft. Mein Körper schwingt in sanften Bewegungen zu entspannten Rhythmen. Zwei dunkle Knöpfe über einer roten Brust äugen, aus der kargen Hecke heraus; verharrend und voller Neugierde in meine Richtung die Lage abscheckend. Das Rotkehlchen begrüßt mich, denke ich. Welch ein Wonnemoment. Was es denkt, empfindet, ist nicht zu erschließen. Dann setzt es seinen Weg in der Mitte der Hecke fort. Auf der Suche nach Futter? Einer Partner*In?
Der Kaffee dampft, die Gedanken fließen wie zaghafte Schleierwolken durch den eingeschränkten Horizont meines Bewusstseins. Wollte ich nicht über Freiheit schreiben? Ein sinnierendes „wozu“ füllt den schweifenden Geist. Es gibt so viele Freiheiten wie Moralen, so viele Grade von Zwängen und offene Horizonte. Die Natur, andere Wesen, die Macht des Körpers… Am engsten sind die, welche wir uns selber schaffen. Besser ausgedrückt, schaffen können? Schaffen wollen? Ja, da sind die Anderen, da ist die Welt. Wie das Rotkehlchen dieses oder jenes Körnchen pickt, diesen oder jenen Grashalm zum Nestbau sammelt, auf diesen oder jenen Ast springt, ist es mein Privileg mal so, mal anders zu handeln. Möglichkeiten und Limitationen zu suchen und zu finden, wahrzunehmen. Wie ein Vogel vermag ich es im Schutz der Hecke zu hüpfen – oder mich in die unendliche Weite der Lüfte aufzuschwingen. Freiheit ist Wahl aus den gegebenen, erkannten Möglichkeiten. Ein Plural, den ich in jeder Sekunde neu (er)finden muss. Nicht selten ist ein Abenteuer zu wagen, um den Horizont zu erweitern. Letztendlich finde ich meine Freiheit(en) nur in mir.
Das Rotkehlchen hat mir Zufriedenheit gegeben. Gleichmut bedeutet absolute Freiheit. Im Glück (Sukha) des Moments bedarf es keiner weiteren Gedanken. Keiner Philosophie über die Freiheit.