Wie wassergefüllte Säcke hängen dunklen Wolken über einer still vernebelten Landschaft. Zaghaftes Licht sickert matt leuchtend durch ihre wulstige Ränder. Sanfte Illumination bannen den Geist mit einer verwunschenen, gelassenen Atmosphäre. Die perfekte Komposition strahlt eine wundersame, bleiern-erhabene Schwere aus. Ich versuche in diese Welt, dieses Bild hineinzugleiten. Doch es gelingt nicht. Um mich herum tobt hektischer, dumpfer Lärm. Drängelnde Menschen versperren das Blickfeld. Die Unruhe einer vollgestopften Einkaufsstraße, die jede Besinnlichkeit im Keim erstickt. Kunst ist zum Event verkommen. In Zeitslots schieben sich die Besuchermassen durch die zu engen Räume. Kein gelassener, versunkener Blick ist angesichts der konsumierenden Horden mir ihren stoßenden Ellenbogen möglich. Dazwischen Pulks von Ahnungslosen mit Kopfhörern, berieselt von einem Guide der ins Mikrofon plärrend den Bildungsbürgern Geschichten rund um die einmaligen Bilder erzählt. Trotz der Erklärungen auf ihren In-Ear-Empfängern plappern sie untereinander. Bar jeglicher Fähigkeit zur Konzentration. Jede Besinnlichkeit wird im Keime erstickt.
Es ist wie mit dem Kirchgang am Heiligen Abend, an dem all die, die nie eine Kirche besuchen, sich um die letzten Plätze rangeln. Ein Sommerschlussverkaufs-Gedrängel nach kulturellen Häppchen, von den dann stolz erzählt werden kann: „Ich war dabei!“. Sicher, es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Menschen sich bilden, mit Kunst auseinandersetzen, aktiv werden, sich aktivieren. Doch diese Massenevents, die über allen medialen Kanäle beworben werden, haben nichts mit Kultur, kulturellem Handeln, handelndem Tun gemein. Einem Tun, das Beuys in seinem berühmten Satz: „Jeder ist ein Künstler“ (eine Abwandlung des Satzes „Jeder Mensch kann ein Künstler sein“, des romantischen Dichters Novalis) gefordert hatte. Strömende Horden in Museumsevents sind nichts anderes als leere Events. Sie haben nichts mit einer „sozialen Plastik“ (Beuys) zu tun, höchstens mit der Plastikhaftigkeit unserer vermedialisierten Welt. Im rasenden Stillstand des Konsums erstarrt die Plastizität, das Denken, das Begreifen, das Erspüren erstirbt. Nichts Schöpferisches ist auf diesem Event zu spüren. Selbst der geschaffene Ausdruck auf den herrlichen Gemälden eines Caspar David Friedrich verliert seine Strahlkraft. Jede Aura geht verloren. Jede Besinnlichkeit, jeder Traum verliert sich angesichts der Kommerzialisierung durch die Massenkultur, die Kultur ist und zugleich nicht. Denn hier gedeiht nichts mehr außer leerem Geplapper, das in einem „ich war da“ oder „ich war dabei“ verreckt, das nach der pauschalen Städtereise mit Museumsbesuch am Kaffetisch von sich gegeben wird.
Besucht doch lieber einen dieser quietschbunten Events wie diese Musicals oder High Tech 3-D Visualisierungen von Künstlern, die gerade in sind; die genauso zappeln, wie ihr es tut. Rennt den Anweisungen Eurer Screens hinterher. Ich betrete die Kunsthalle erst wieder, wenn ihr weg seid. Dann kann ich in erneut in aller Ruhe in den Tiefen der romantischen Malerei versinken.