„Aber nicht das Leben, das sich vor dem Tode scheut und von der Verwüstung rein bewahrt, sondern das ihn erträgt und in ihm sich erhält, ist das Leben des Geistes. Er gewinnt seine Wahrheit nur, indem er in der absoluten Zerrissenheit sich selbst findet. Diese Macht ist er nicht als das Positive, welches von dem Negativen wegsieht, wie wenn wir von etwas sagen, dies ist nichts oder falsch, und nun, damit fertig, davon weg zu irgend etwas anderem übergehen; sondern er ist diese Macht nur, indem er dem Negativen ins Angesicht schaut, bei ihm verweilt. Dieses Verweilen ist die Zauberkraft, die es in das Sein umkehrt. –“ (1)
Sanft stürmen rauschen flauschige, weiße Bällchen vom Himmel, bedecken alles. Sammeln sich in Astgabeln, lassen den Himmel in ihrem Getaumel verschwinden. Eine rastlose Ruhe, ebenso erhaben wie die Lektüre Hegels. Sinnierend, schauend, klar und verwirrt zugleich. Meine Aufmerksamkeit schwankt von der Naturschönheit zum Text und zurück. Taumelt, wird, wie Hegel es formuliert, zerrissen. Begriffe bilden sich und vergehen, ebenso wie die Sinneseindrücke. Sie sagen nichts, als das, was ist. Im ewigen Werden, dem Hin und Her der spielerischen Entwicklung. Zug für Zug in immer neuen Runden. Ich denke an Nietzsches „Ewige Wiederkunft“, die ihm im Hochgebirge am Stein beim See zufiel. Mein Geist arbeitet, Begriffe formen sich und vergehen, manchmal bringe ich ihn zur Ruhe. Entspannt schaue ich auf das wilde Treiben der Schneeflocken und atme langsam die wohlige Wärme des Schweigens.
(1) G.W.F. Hegel, Phänomenologie des Geistes, aus der Vorrede