Freiheit im Fluss

Wie Treibholz werden wir alltäglich vom Fluss der Zeit vorangezogen. Mal schneller, mal langsamer. Dieser Strom zernagt alles fest geglaubte. Aus Felsen wird Sediment, wird Felsen. Immer anders, immer neu. Frei fließt der Fluss, in sein Bett eingezwängt. Doch immer wieder sprengt er die Grenzen seines Laufes, versickert oder braust nicht geahnte Wege. Unaufhaltsam verändert er seinen Pfade. Freiheit ist zuallererst die Freiheit etwas zu ändern. Schon ein aktiver Schritt zur Seite öffnet neue Horizonte.
Das einengende Bett der Menschen sind die Gedanken, sind die Schemata, die gewohnten Denkbahnen. Woher immer sie kommen. Familie, Ereignisse, Beziehungen, Staat, Kultur, Religion… die Ursachen für sich egal. Vergangen, versandet. Es geht darum, die Verhaltensweisen zu entdecken, zu benennen, die Dämonen hinter sich zu lassen. Ja, manche sind kraftvoll, erscheinen fest, unüberwindlich wie ein betonierter Kanal. Andere hingegen sind porös und flexibel wie ein weiches in Sand und Schotter gegrabenes Bett. Ein aktiver Fluss findet immer seinen Weg. Sickernde Feuchtigkeit, hauchfeine Rinnsale schreiten langsam und geduldig voran. Manchmal drängt der Strom stürmisch und unaufhaltbar über die Ufer. Selbst, wenn die Tropfen versickern, versanden – immer neues Wasser sucht unbekannte Wege. Dann, überraschend stürmt die Flut heran und keine Barriere verstellt den Weg. Alles ist neu.