Weinlese

Trinken, trinken, trinken. Der Körper stößt jeden Milliliter Wasser bei 36 Grad und körperlicher Arbeit sofort aus. Die Frische des frühen Morgen ist gewichen. Jetzt, nach vier Stunden, brennt die Sonne. Die nächste Traube glitzert dunkelrot durch das Grün, verwickelt im Stock. Ihr kleiner Ansatz verborgen im Gewirr der Blätter und Reben. Klack, sie fällt in die freie Hand, wird sanft zu den schon geernteten in die Kiste geworfen. Daneben die Nächste. Ein paar Meter weiter – klack, klack, klack. Eine Reihe nach der Anderen lassen wir hinter uns. Wir, die Hilfsarbeiter und Freunde des Besitzers. Hier und dort ein Gespräch, gut gelaunte Tätigkeit. Trotz der Anstrengung. Zwischendrin, im Schatten, Pause nehmen. Trinken, trinken, trinken.
Die un- oder falsch trainierten Muskeln im Rücken rumoren. Sie Halten durch, versehen ihren Dienst. Ich fühle mich geerdet. Spüre Demut, den Respekt vor den Menschen, die Tag aus und Tag ein die Flur bestellen, säen, Brunnen bohren, Bewässerungen legen, pflegen, ernten…. Ein rauer Alltag, so widerborstig wie das hakige Gras, dass sich im schwarzen Stoff meiner Schuhe festbeißt. Hier ist nichts glatt wie die spiegelnde, knisternde Plastikverpackung im Supermarkt. Keine Ware. Ein Produkt, das Mühe und Arbeit in sich trägt.
Eine große Anstrengung, die wie jeder Kraftakt dem man sich stellt, mit einer tiefen Freude und Erfahrung belohnt. Dabei tritt das Tun, das fließt, bis es erledigt ist, in den Hintergrund. Es geht um das Miteinander, die Beziehungen zwischen den Menschen zur Natur, zu sich selbst.
Ein Lächeln huscht über mein Gesicht, als wir am Nachmittag völlig erschöpft „chillen“.