Eine kurze Lektüre zur Einstimmung auf das Sitzen. Nachdenken entlang eingängiger, ruhiger Worte des verstorbenen Meisters. Wie in sanfter Rede gesprochen hallen sie in mir wieder. Ganz von selbst scheinen sie den Geist zu erreichen, wenn man es tut. Sitzen ohne ideologischen Ballast, ohne Wollen, ohne Ziel. Tun, einfach tun. Nichts tun. Diese Worte erinnern mich an meine ersten Worte hier, entstanden an den Gestaden der sonnigen Insel. Ein Ort, an dem ein Stein am Meer auf mich wartet um auf ihm zu sitzen. Wu Wei.
Doch lauschen wir dem Meister: „Viele versuchen, immer mehr und mehr zu tun. Wir glauben, wir müssten das tun, weil wir Geld verdienen, etwas erreichen wollen, weil wir uns um andere kümmern oder unser Leben und unsere Welt verbessern wollen. Oft tun wir etwas, ohne groß darüber nachzudenken, weil wir es so gewohnt sind, weil uns andere darum gebeten haben oder weil wir glauben, dass wir es sollten. Doch wenn wir in unseren Wesen nicht gefestigt sind , dann werden die Probleme in unserer Gesellschaft immer weiter zunehmen, je mehr wir tun.“ (S. 24, Hanh, T. N. (2016) Einfach sitzen O.W. Barth)
Wie wahr gesprochen. Ich muss mich anstrengen, um diese Weisheit, diese Haltung in die letzten Arbeitsjahre hineinzunehmen. Nein, es soll die verbliebenen Jahre meines Lebens durchdringen; diese klare und simple Aufforderung. Eine Sicht, eine Praxis, die seit über 2000 Jahren kultiviert und vor allem „getan“ wird.
Schlagwort: Ruhe
Jetzt!
Mal sanfter und mal lauter klick-klackern die Regentropfen im eigensten Rhythmus kühl an die Scheiben. Wie sinnlos eine Struktur erkennen zu wollen. Sie spielen ihre eigene Musik. Wie im Tanz muss man mitgehen. Regentropfen werden. Auch in der Sonne muss man Sonne sein. Dem Wind sollten wir uns beugen. Flexibel und biegsam im Moment. Wunderbare Welt.
Welch ein Luxus, es leben zu können.
In diesem Moment der Ruhe muss ich an Thích Nhất Hạnh denken, der am 22 Januar mit 95 verstorben ist. Später lese ich nach – in seinem schönen Büchlein „Im Hier und Jetzt zu Hause sein“:
„Wer einmal erlebt hat, wie wohltuend, erfrischend und heilsam es ist, ganz im gegenwärtigen Moment zu sein, im Hier und Jetzt wirklich anzukommen, in dem wird eine tiefe Sehnsucht erwachsen, solche Augenblicke öfter und länger zu erleben. Ganz bei sich und gleichzeitig mit allem verbunden, fühlt man sich zuhause, nichts fehlt, alles ist da.“ (7)
„Wir glauben, wenn wir nichts tun, dann vergeuden wir unsere Zeit. Das ist nicht wahr. Unsere Zeit ist zunächst für uns da, ist da für uns, damit wir sein können – was zu sein? Lebendig zu sein. Frieden zu sein, Freude zu sein, zu lieben. Das ist, was die Welt am dringendsten braucht. Wir üben uns darin zu sein. Und wenn wir die Kunst beherrschen, friedlich zu sein, stabil zu sein, dann haben wir die Grundlage für jedes Handeln geschaffen, denn die Grundlage jedes Tuns ist, zu sein. Und die Qualität des Seins bestimmt die Qualität des Tuns. Das Tun muss auf dem Nichtstun basieren.“ (17) Wu Wei…
Schön ist, dass der nächste Regen, der nächste Sonnenschein, der nächste Wind mit Sicherheit kommt. Ob ich da bin oder nicht.
Thích_Nhất_Hạnh (2016) Im Hier und Jetzt zu Hause sein, Theseus
Aus-Zeit… Ziel: Die Leere
Das Prinzip: 無為 Wu Wei – Nicht handelndes Handeln. Wird nicht gedacht und gemacht. Keine Machenschaften. Es geschieht. Es geschieht mich. Nicht arbeiten, nicht wollen – Sein. Was nicht bedeutet, nicht tätig zu sein. Den Weg gehen.
