Jetzt!

Mal sanfter und mal lauter klick-klackern die Regentropfen im eigensten Rhythmus kühl an die Scheiben. Wie sinnlos eine Struktur erkennen zu wollen. Sie spielen ihre eigene Musik. Wie im Tanz muss man mitgehen. Regentropfen werden. Auch in der Sonne muss man Sonne sein. Dem Wind sollten wir uns beugen. Flexibel und biegsam im Moment. Wunderbare Welt.
Welch ein Luxus, es leben zu können.
In diesem Moment der Ruhe muss ich an Thích Nhất Hạnh denken, der am 22 Januar mit 95 verstorben ist. Später lese ich nach – in seinem schönen Büchlein „Im Hier und Jetzt zu Hause sein“:
„Wer einmal erlebt hat, wie wohltuend, erfrischend und heilsam es ist, ganz im gegenwärtigen Moment zu sein, im Hier und Jetzt wirklich anzukommen, in dem wird eine tiefe Sehnsucht erwachsen, solche Augenblicke öfter und länger zu erleben. Ganz bei sich und gleichzeitig mit allem verbunden, fühlt man sich zuhause, nichts fehlt, alles ist da.“ (7)
„Wir glauben, wenn wir nichts tun, dann vergeuden wir unsere Zeit. Das ist nicht wahr. Unsere Zeit ist zunächst für uns da, ist da für uns, damit wir sein können – was zu sein? Lebendig zu sein. Frieden zu sein, Freude zu sein, zu lieben. Das ist, was die Welt am dringendsten braucht. Wir üben uns darin zu sein. Und wenn wir die Kunst beherrschen, friedlich zu sein, stabil zu sein, dann haben wir die Grundlage für jedes Handeln geschaffen, denn die Grundlage jedes Tuns ist, zu sein. Und die Qualität des Seins bestimmt die Qualität des Tuns. Das Tun muss auf dem Nichtstun basieren.“ (17) Wu Wei…
Schön ist, dass der nächste Regen, der nächste Sonnenschein, der nächste Wind mit Sicherheit kommt. Ob ich da bin oder nicht.

Thích_Nhất_Hạnh (2016) Im Hier und Jetzt zu Hause sein, ‎ Theseus

Sinn und Glück

Am Ende eines Aufsatzes über den „Sinn des Lebens“ im Zeitmagazin vom 16.12.21 steht als letzter Satz folgendes zu lesen: „Glück, das ist nur ein flüchtiger Moment. Der Sinn bleibt.“ Zuvor wurde Adam Kaplin mit folgenden Worten zitiert: „Es ist nicht das Hauptanliegen des Menschen, Freude zu erreichen oder Schmerz zu verhindern, sondern in seinem Leben einen Sinn zu sehen.“
Ich halte diese Aussagen für sehr gewagt. Gerade in Bezug auf den zeitlichen Aspekt. Generell mag das Problem darin liegen, dass die Begriffe „Sinn“ und „Glück“ einen immens weiten Interpretationsspielraum ermöglichen. Wahrscheinlich gibt es für jeden der über 8 Milliarden Menschen auf dieser Welt eine eigenste, individuelle Auffassung davon, was Sinn bzw. Glück für diese bedeuten. Eine eigenste Sichtweise darauf, ob auf der einen Seite der sinnvolle Moment oder das kleine Glück gemeint ist, oder so etwas bedeutendes wie der Lebenssinn bzw. die Frage nach dem glücklichen Leben.
Interessant ist hier die Betrachtung vom Verhältnis der begrifflichen zur emotionalen Ebene. Sinn ist nach meinem Verständnis zunächst auf die biologische „Sinneswahrnehmung“ und deren begrifflichen Wahrheitsgehalt („das macht Sinn“) bezogen. Sie steht der eher diffusen, emotionalen Ebene des Glücks-“gefühls“ gegenüber. Schon hier sind die Übergänge recht unscharf. Alleine deshalb, weil jede sinnfällige Entscheidungsmöglichkeit, wenn auch indirekt, durch Emotionen mitgesteuert wird; jeder Sinneseindruck Emotionen hervorruft. Auf der anderen Seite wird die Suche nach Glück oft rational begründet und betrieben.
Mir deucht, hier gibt es noch viel nachzudenken, zu „sinnieren“. Entlang Jahrtausende währender Denktraditionen und geübter Praxis. Bis sich (für mich) ein Sinn ergibt. Ein Sinn, der gefühlt werden kann und einen Weg zum anhaltenden Glück zeigt. Erst einmal ist dieser für jeden Menschen individuell, wie es Aristoteles in der Nikomachischen Ethik schon schrieb. Sie beginnt ja auch mit einer Diskussion der Glückseligkeit (εὐδαιμονία), versucht, deren Prinzipien zu ergründen. Wobei der teleologische (telos-Ziel) Ansatz nur ein Ansatz unter vielen sein kann.
„Da der Ziele zweifellos viele sind und wir derer manche nur wegen anderer Ziele wollen, z.B. Reichtum, Flöten und überhaupt Werkzeuge, so leuchtet ein, daß sie nicht alle Endziele sind, während doch das höchste Gut ein Endziel und etwas vollendetes sein muß.“ (Aristoteles, Nikomachische Ethik 1097a (27))

Kaltes Glück

Die nordische Luft ist kalt und schneidend. Hagelkörner verweilen im welken Wintergrass. Auf dem kleinen Teich glitzert die wärmende Wintersonne. Ein paar Vögel rufen dann und wann in unverständlicher Sprache. Der werkende Hammer hallt an einer entfernten Häuserfront. Störend. Im Rhythmus seiner Schläge dringt die Kühle der toten Arbeit in das kleine Winterglück ein, durchschneidet als hallender Lärm die Ruhe. Die lebende Ruhe einer sich meldenden Tierwelt, die Ruhe des Rauschens und Knackens, Prickelns und Piepens. Die Ruhe des entspannten Atmens in der frischen Luft, des Blutes, welches uns langsam pulsierend durchströmt. Eine lebendige Ruhe, die inneren Frieden gibt.


Denken die vorbeieilenden Menschen über solche Ruhe, solches Glück nach? Sind sie nur Getriebene? Verhämmern, verquasseln, verträumen, verkonsumieren sie ihre begrenzten Lebens-Momente? Fragen sie sich, was Glück bedeutet? Und ich meine hier nicht das kurze Glück durch Effekt. Ich meine die Frage nach Zufriedenheit, Gelassenheit, Gleichmut, Seelenruhe, inneren Frieden, Ataraxie, Sukha… Der Zustand, für den es in 1000 Sprachen noch viel mehr Worte gibt (1). Ein Zustand der im Inneren von uns allen walten. Ein Zustand, der durch nichts Äußeres erzeugt werden kann. Der nicht zu beschreiben und schon gar nicht durch Schalten und Walten zu erwerben ist.
Manchmal kommt er. Manchmal bleibt er. Manchmal entgleitet er, ist nicht zu fassen. Wenn er da ist, ist er da. Welch eine wunderbare Präsenz. Oft kaum wahrnehmbar, hinter einer Wand aus zuckenden Gedanken und Emotionen versteckt. Immer da. Es gibt da die schöne Ozean-Metapher. Die dünne Schicht der bewegten, zuweilen tosenden Wellen auf der Oberfläche des Meeres, berühren den Ozean kaum. Still schweigt er in seiner Tiefe.

(1) Zum „Glücksbegriff“ gibt es noch viel zu denken, zu sagen, oder vielleicht doch besser zu schweigen. Er möchte erlebt, gelebt werden.

Aus-Zeit… Ziel: Die Leere

Das Prinzip: 無為 Wu Wei – Nicht handelndes Handeln. Wird nicht gedacht und gemacht. Keine Machenschaften. Es geschieht. Es geschieht mich. Nicht arbeiten, nicht wollen – Sein. Was nicht bedeutet, nicht tätig zu sein. Den Weg gehen.

Die ersten zwei Wochen: Verbindung mit den Elementen und 13 tollen Menschen. Himmel – Mensch – Erde / (P.S. – das bin nicht ich, sondern jemand aus der Gruppe ;o))