Gestrandet

Wie durch den sanften Schlag der Wellen ein Stück Treibholz wurde ich erneut an bekannte Gestade gespült. Auf meinem Stein vernehme ich das Gluckern und Gurgeln des warmen Meeres. Friedlich glimmert es nach dem gestrigen, kurzen Sturm in der Morgensonne. So schnell wie sich das Wetter beruhigte, so langsam gleite ich in eine zufriedene Ruhe. Ausatmen dauert immer länger wie das Einatmen. Die Jahre der Lohnarbeit liegen hinter mir und wollen abgeschüttelt sein. Nein, langsam ins Vergessen gesogen werden, wie der zurückströmende Sog der Wellen, die ein momentanes Phänomen im immergleichen und zugleich immer anders werdendem Meer sind. Auf dem Stein sitzend bin ich Stein und Wasser zugleich.
Die mit jedem Atemzug austretende Feuchtigkeit verbindet sich mit der weiten See, deren Gischt durch den warmfrischen Wind getragen wird. Im Rhythmus der Welt saugt mein Körper die heilende Luft ein, nährt sich von der Kraft der Natur. Ich komme zu mir, zur Welt. Die Welt kommt zu mir. Ewiges Werden im ewigen Wechsel. Alles gleich und doch immer anders. Mal wieder. Gerne beuge ich mich dem Rhythmus des Gewöhnlichen, richte mich in ihm ein. Zentrierend. Ein langer weg, so lang wie die Kraft, welche Wind und Strömungen antreibt. Zeit die alles wie mit kräftigen oder plätschernden Welle durch den unendlichen Raum treibt. Ich bin Teil, alles ist verbunden

Klein statt groß

„Das Zuhören hat mich der Fluß gelehrt, von ihm wirst auch du es lernen. Er weiß alles, der Fluß, alles kann man von ihm lernen. Sieh, auch du hast schon vom Wasser gelernt, daß es gut ist, nach unten zu streben, zu sinken, die Tiefe zu suchen.“ (1)

Gemächlich zieht das grauspiegelnde Wasser seine Bahnen. Ablaufend gibt es mehr und mehr des sonst verborgenen, schlickigen Grundes frei. Ein Reiher fliegt, die Flügelspitzen bei jedem Schlag knapp das Wasser berührend, dynamisch mit klarer Haltung zügig auf ein unbekanntes Ziel zu. Der sonnenbebrillte Typ mit Bun taumelt, in der einen Hand seine Bierdose, in der anderen einen Gartenstuhl, an seinen Platz. Eine Gruppe durchflügt, geführt vom Trainer im Kajak, die trübe Elbe. Mit dumpfem Wummern zieht die Schaluppe mit den Chillenden und tanzenden Ravern vorbei. Jemand hört mir zu, ich entspanne mich. Der angetrunken lustige Showtyp verlässt seinen Gartenstuhl, inszeniert ein wenig obszön einen Furz, bemerkt das Loch in seinem Hemd und zerreisst es mit einem lustigen Kommentar. Dann verjagt er die Möwe und bittet er uns, die Musik lauter zu machen. Wir führen entspannte Gespräche. Über Banales und Tiefschürfendes. Die Sonne strahlt und lässt den Körper auf der Decke beim leckeren rote Beete-Sandwich schwitzen
Wie schön hier und jetzt zusammen an diesem Ort zu sein. Ja, wir wollten auf der Schaluppe tanzen. Es wäre ein größeres Ereignis gewesen. Wir sind ein wenig traurig. Aber warum traurig sein? Das banale Picknick an der weiten Elbe, mit Blick auf das überwucherte Boot, umbäumte Industrieanlagen bot so viele kleine Beobachtungen, die uns schmunzeln ließen. Warum immer das Große, den Event, wenn wir jederzeit Dinge eräugen können, die das Herz im Stillen lachen lassen. Manchmal auch ein wenig bedrückend. Wie über den engen Betondurchgang unter der Brücke, in der eine riesige Kolonie von gruseligen Kreuzspinnen bedrohlich ihre Netzegewimmel spann. Dazu die rasenden Radler, die uns fast zwangen, an das netzübersponnene Geländer auszuweichen. Was ein wundervoller Tag. Ein Tag, der, begleitet von schöner Musik und kleinen Ereignissen, einen tiefen Eindruck hinterließ.

(1) Hesse, H. (1986/1950) Siddharta. Klein und Wagner, Welsermühls, Wels, Österreich, S. 235

Ruhende Kontinuität

Ich lese bei Bregman, in seinem schönen, wohltuenden, positiven Buch über das „Gute“, folgendes Zitat. Es stammt aus einem Interview mit dem Gründer einer großen Firma, die in den Niederlanden die Pflege auf den Kopf zu stellen scheint: «Die Welt profitiert oft mehr von Kontinuität als von kontinuierlichen Veränderungen», sagt er. «Wir haben jetzt Veränderungsmanager, Change Agents und lauter solche Leute. Aber wenn ich mir die Pflege in den Bezirken ansehe, hat sich der Beruf in 30 Jahren kaum verändert. Man versucht, eine Beziehung zu jemandem in einer schwierigen Situation aufzubauen, das bleibt immer gleich. Natürlich kann man neue Erkenntnisse und Techniken anwenden, aber die Basis ist unverändert.» (1)
Diese Erkenntnis gilt nicht nur für die Pflege. Überall haben die stählernen und eiskalten Verwalter von Strukturen das Heft in die Hand genommen. Inhalte, Techniken und Nachdenken sind genauso wenig gefragt wie Langeweile, Ruhe oder Gelassenheit. In diesen liegt eine „Nicht“- Kontinuität – im Werden des Stillstands. Bedenken und handelndes Tun, wozu „nur da sein“ oder „füreinander da sein“ gehören sind zutiefst menschliche Eigenschaften. Mal wieder „Wu Wei“.
Dröhnend wie die Hämmer eines Hochofens brechen verordnete Reformen, über uns herein. Aktionismus, der in seiner Hitze mehr vernichtet als er schafft. Daher die Vorliebe der Change-Manger für Begriffe wie „Kompetenzfelder“ oder „Management“, denn diese sind so hohl wie die mechanischen Gehirne der Bürokratiemaschinen. Niemand scheint dies zu bemerken wollen.
Durch diesen Aktionismus einer hämmernden Maschine kommt es zu permanenten Kollateralschäden, wie die, dass „Erkenntnisse und Techniken“, also Inhalte nicht einmal mehr gesehen werden. Das Bestehende, dass sich im Werden aus sich selber ändert, denn nichts bleibt ewig gleich, wird unter Euphemismen zertrümmert und zerrüttet. Wie an meiner Hochschule. Laut wird dort zum Beispiel das Wort „Interdisziplinarität“ hohl in den Raum gebrüllt. Gleichzeitig werden langsam und kontinuierlich gewachsene interdisziplinäre Strukturen in ihre isolierten Kästchen zurücksortiert. Noch schlimmer, es werden Beziehungen zerstört und in ihrer Entwicklung behindert. Techniker und Designer, die sich über Jahre zusammenfanden, um inhaltsgesteuert zu arbeiten, werden in ihre althergebrachten Schubladen zurückgedrängt, oder drängen sich gar selber. Ich fürchte, sie werden in den Essen der Leitungen eingeäschert und zerschmolzen, bis ein langweiliger, disziplinärer Einheitsbrei übrig bleibt.
Denn Strukturen, in ihrer starren Raserei eisiger Bergstürze, sind Grenzen, die sie selber nicht wahrnehmen. Festzurren und Einkästeln im Namen der Beweglichkeit, der Kontinuität, die schon lange gestorben ist. Ohne zu bemerken, dass das Leben – lebt, wird, Beziehung ist. Das Leben überschreitet permanent Grenzen, sucht neue Horizonte. Wie der schweifende Blick in der ruhenden Leere. Der Blick, den keine menschengemachte Regel, keine Excel- Tabelle, kein Kompetenzfeld zu verbauen vermag; kein Management erlaubt.
Nur der sich im Horizont verlierende warmen Blick, manchmal durch etwas Glut der Wut angeheizt, vermag es die Eiseskälte der bürokratischen Systeme zu zerschmelzen; vermag es den kalten Stahl aus deren Herzen zu drängen, zu verflüssigen.

(1) Bregman, Rutger. Im Grunde gut: Eine neue Geschichte der Menschheit (S.304). Rowohlt E-Book. Kindle-Version.

Mairegen

Der letzte Maitag. Mit leichtem, chaotischem Rhythmus plätschert sanfter Regen in die sattgrünen Blätter. Ruhe in den Gedanken, Zufriedenheit, Frieden. Im Hintergrund der entspannte Rhythmus von Bedouin: „We are the Aliens from outer space, dancing on the human race“. Die Welt ist wunderbar. Tiefe und irritierende Gedanken streifen in der Weite des Horizonts irgendwo in den Weiten des Weltalls. Sie können mich nicht berühren. Sie haben Zeit. Wenn sie versuchen sich zu nähern, gehen sie im Rhythmus der Natur und dem entspannten Gesang unter. Alles kann warten. Alles wird.

Trauerweide

Beim täglichen Spaziergang frage ich mich, woher die Trauerweide ihren Namen bekommen hat. Strahlen ihre kleinen, frischen Blätter nicht schon früh gegen den grauen, verregneten Winterhimmel an? Rufen sie nicht in ihrem zarten Grün das Frühjahr herbei? Selbst durch den Nieselregen hindurch leuchten ihre filigran hängenden Ästchen mit den zarten Blättern wie Angelruten in Richtung des Gewässers.
Boten des schleichenden Wechsels, ein Ruf nach Sonne und Wärme, der sich alsbald erfüllen wird. Ich atme tief durch. Trotz der feuchten Luft schmecke ich das Voranschreiten, welches sich im Moment anschickt, die klamme Kühle des Winters zu vertreiben. Meine Mundwinkel verziehen sich zu einem sinnierenden Lächeln. Ich spüre die Steinchen auf dem Weg, wenn auch nur wage, während ich einen Schritt vor den anderen setze, ein Atemzug den nächsten ablöst. Wie die Jahreszeiten. Im jetzt. Es gibt nichts festzuhalten. In mir leben die Generationen, ich werde in den Folgenden aufgehen.

Was gibt es da zu betrauern?

Heckenfreiheit im Kopf

Heute Morgen erwärmt die karg glimmende Vorfrühlingssonne die frostige Luft. Mein Körper schwingt in sanften Bewegungen zu entspannten Rhythmen. Zwei dunkle Knöpfe über einer roten Brust äugen, aus der kargen Hecke heraus; verharrend und voller Neugierde in meine Richtung die Lage abscheckend. Das Rotkehlchen begrüßt mich, denke ich. Welch ein Wonnemoment. Was es denkt, empfindet, ist nicht zu erschließen. Dann setzt es seinen Weg in der Mitte der Hecke fort. Auf der Suche nach Futter? Einer Partner*In?
Der Kaffee dampft, die Gedanken fließen wie zaghafte Schleierwolken durch den eingeschränkten Horizont meines Bewusstseins. Wollte ich nicht über Freiheit schreiben? Ein sinnierendes „wozu“ füllt den schweifenden Geist. Es gibt so viele Freiheiten wie Moralen, so viele Grade von Zwängen und offene Horizonte. Die Natur, andere Wesen, die Macht des Körpers… Am engsten sind die, welche wir uns selber schaffen. Besser ausgedrückt, schaffen können? Schaffen wollen? Ja, da sind die Anderen, da ist die Welt. Wie das Rotkehlchen dieses oder jenes Körnchen pickt, diesen oder jenen Grashalm zum Nestbau sammelt, auf diesen oder jenen Ast springt, ist es mein Privileg mal so, mal anders zu handeln. Möglichkeiten und Limitationen zu suchen und zu finden, wahrzunehmen. Wie ein Vogel vermag ich es im Schutz der Hecke zu hüpfen – oder mich in die unendliche Weite der Lüfte aufzuschwingen. Freiheit ist Wahl aus den gegebenen, erkannten Möglichkeiten. Ein Plural, den ich in jeder Sekunde neu (er)finden muss. Nicht selten ist ein Abenteuer zu wagen, um den Horizont zu erweitern. Letztendlich finde ich meine Freiheit(en) nur in mir.
Das Rotkehlchen hat mir Zufriedenheit gegeben. Gleichmut bedeutet absolute Freiheit. Im Glück (Sukha) des Moments bedarf es keiner weiteren Gedanken. Keiner Philosophie über die Freiheit.

Zufriedenheit

Hektisch hüpfen die Vögel, einem geheimnisvollen Muster folgend, durch die Hecke. Wie der feine, kühle Winterregen fällt das Licht sanft über die Welt. Blätter zittern im Wind. Die klamme Luft stört sie ebenso wenig wie mich, der warm ummantelt im molligen Heim sitzt.
Meine Gedanken schweifen in die allverbundene Welt.Wie die Vögel die luftig vom sanften Wind getrieben werden, bis sie sich, unsichtbaren Schatten gleich, im Nebel der hängenden Wolken auflösen. Tröpfen, die sich mit Milliarden Artgenossen zu einer Wolke zusammenschließen, sich verfließend in der nächsten auflösen oder als Niesel dem Boden entgegenschweben. Die Pflanze nährend, an deren Früchte sich die Vögel laben. Ich bin Vogel, Pflanze, Erde, Wolke, Samen… jedes der unzähligen Teile zugleich. Bin und war. Im Moment träume ich wachdösig diesen flüchtigen Traum.
Welch ein Glück. Welch eine Wonne. Keine Bomben, kein Hass, keine herabsetzenden Worte, böse Gedanken bedrohen meine Besinnlichkeit. Im Moment muss ich nicht einmal achtsam sein, wie die Meise auf Futtersuche, die zuckend den Kopf nach links und rechts dreht; nach Nahrung, der Gemeinschaft, der Katze spähend.
All dies Angesichts des Elends, des Krieges, der Furcht, der Angst, des Hasses, der wütenden Worte, die versammelt auf dem anderen Fenster, dem glatten Monitor erstarrt sind. Welch ein Privileg ich habe, so sein zu können. In diesem Moment.

Nix Tun

Es kommt im Leben nicht darauf an, was man getan hat. Es kommt darauf an, was man nicht getan hat. Dieser Satz, diese Weisheit rumpelte während der Morgengymnastik in meinen Kopf. Habe ich ihn gedacht oder ist es die Erinnerung an den Ausspruch eines Weisen, der sich in meinem Unbewussten festgesetzt hatte? Er riecht nach uraltem Wissen, das feststellt, das zu selten gehandelt – oder besser – nicht gehandelt wird. Im Chinesischen etwas „Heiliges“: Wu Wei – NixTun – Natur wirkt aus sich heraus. (1) Ohne Ziel, ohne Intention.
Ein Satz gegen die alltägliche Betriebsamkeit, das Gerenne und Gehetze. Der Drang, etwas zu erreichen, wo nichts zu erreichen ist. Gedanken gegen die Hin und Her hüpfenden Affen im Kopf, die antreiben, verzetteln, verwirren. Falsche Ziele Setzen. Der Affen, die schwer zur Ruhe zu bringen sind. Der Affen die rufen und schreien, fordern und zerren. Dabei ist es so simpel. Auf den sanften Atem konzentrieren. Den weichen Strom gleiten lassen, der die Affen verharren lässt, bis sie, verwirrt den Kopf kratzend, verträumt auf ihren Ästen hocken und – nichts tun.
Im nichts tun können wir bei uns sein, bei all den Anderen sein, in der Welt sein. Im nichts-tun wird Niemand durch unser betriebsames, maschinelles Handeln angetrieben, beleidigt, herausgefordert, verletzt. Wie oft habe ich mir durch gedankenloses Tun Ruhe versagt, mich antreiben lassen. Statt in Gelassenheit zu treiben; zu schweben,. Wie das Blatt, das gemütlich und zielstrebig vom Baum zur Erde taumelt. Es wird auf der feuchten Erde landen, um zu vergehen, neues Leben zu spenden. Ich bin das Blatt. Ich schillere in buntesten Farben. Die Affen sitzen weiterhin oben in den Ästen und staunen verwirrt, halten inne, ohne es zu bemerken. Dann, der nächste Sprung, das nächste Schwingen. Ich wünsche allen Affen, dass sie zu Blättern werden, ihren Ort finden. Nicht abstürzen.

(1)Lao Zi spricht allerdings vom Heiligen so: „“Der Heilige geht nicht – Bu Xing (…)und weiß doch, er sieht nixht – Bu Jian (…) – und ist doch klar, er handelt nicht – Bu wie (…) und bringt doch zustande.“ Und noch deutlicher heißt es bei ihm; “Ohne aus der Tür zu gehen kennt er doch alles unter dem Himmel; ohne aus dem Fenster zu schauen, sieht er das Himmelsdao. Je weiter er heraus hinausgeht, desto geringer wird sein Wissen.““ (1) Geldsetzer, L, Han-ding, H. (1998) Grundlagen der chinesischen Philosophie. Reclam, Stuttgart; S. 81

Nicht Praxis

Dann, wie erwartet, erhellt das erste Sonnenlicht, dass über den Hügel schleicht, meine Sonnenuhr. Ήλιος ruft mich an. Ich setze mich langsam in Bewegung. Die Wellen schlagen im leisen Rhythmus an das weit gestreckt Ufer; umschlingen die Steine, gurgeln im Sand. Kleine Blasen schlagend. Schweigend drückt eine große Runde, im Kreis auf ihren Matten hockend, ihren Zeigefinger an die Nase. Eine Yogagruppe scheint ebenfalls die Energie des Ortes zu genießen.
Weiter… die paar langsamen Schritte an den Fels, und schon ist der rechte Stein gefunden. Zurück an meinem Kraftplatz! Mein Herz lächelt in die Natur hinein, lässt sich nieder, praktiziert Nicht Praxis (1). Kein Ziel, nur sein. Der Kreis schließt sich. Die gleiche Präsenz, die gleiche Tiefe, vom Meer kommend, in den Boden verwurzelt, vom Wind bewegt, dringt tief in mich ein. Ich werde (eins).
Langsam spüre ich wie der Atem sich mit der Brise vremischt. Wie die Sonne nach einer Weile den Körper vom Kopf herab sanft mit ihrer Wärme streichelt. Einatmen-Ausatmen. Einfach nur genießen, nichts erlangen wollen. Da-Sein. Wu Wei.

„Meine Praxis (…) ist die Praxis der Nicht Praxis, das Erlangen des Nichterlangens.“ (1)

The Buddha said: „My doctrine is to think the thought that is unthinkable, to practise the deed that is not-doing, to speak the speech that is inexpressible, and to be trained in the discipline that is beyond discipline. Those who understand this are near, those who are confused are far. The Way is beyond words and expressions, is bound by nothing earthly. Lose sight of it to an inch, or miss it for a moment, and we are away from it forevermore.“

(1) Hanh, Thich Nhat. Einfach gehen (S.78). O.W. Barth eBook. Kindle-Version.


Kraft

Wenn der Himmel sich mit dem Meer verquilt, hinter Schauer- und Regenwänden eins wird, die Böen tobend das Wasser verwirbeln, spüre ich Kraft. Die Energie des Lebens, des Leben wollens. Ebenso unermesslich wie die dunkle schwere der stürmenden Gewitterwolke. Genauso treibend, wie die Zeit. Kein Gedanke an Stillstand wäre in einem solchen Moment denkbar.
Das Wogen schäumen in den Himmel, der Regen verwischt jegliche Klarheit. Scharfe Frische lässt den Körper erschaudern, im Hintergrund grollt der Donner. Welch eine Wonne den Moment zu genießen, den festen Boden unter den Füßen, von dem aus mein Ich in den aufgewühlten Himmel ragt. Fest verwurzelt und zugleich den peitschenden Elementen preisgegeben.
Kaum ein Moment der unendlichen Äonen später ist es vorbei. Schneller als jede noch so stürmische Metapher es auszudrücken vermag. Nicht mehr ist das prasselnde Rauschen des Regens zu vernehmen. Nicht das Rauschen des rasenden Windes, dessen Böen alles in taumelnde Bewegung versetzen. Nicht das Grollen des Donners, der Geruch frischkühler Erneuerung. Das wilde Spiel der Schatten und Farben in ihrem raschen Wechsel von Dunkelheit und Schein weichen erneut der Helle des Himmels.
Sein lassen.