Schon wieder Glück – εὐδαιμονία

Die Sonne strahlt über dem Raureif. Der hellblaue Himmel ruft strahlend den Frühling. Die weißlich, kristallin überzogenen Pflanzen zeugen von der nach wie vor vorherrschenden kalten Frische des Winters. In der Wärme, mit Blick in die Natur, lese ich einen wundervoll wärmenden Artikel. Er erzählt vom Glück und Beziehungen.
Eine über Jahrzehnte laufend Studie mit tausenden von Menschen, die teilnahmen, bestätigt etwas so banales, dass ich freudig aufschreien möchte. Am glücklichsten werden die Menschen, die möglichst warme Beziehungen pflegen. Die kalten Dinge, die wir horten, die Waren und Besitztümer, Geldberge und stinkenden Autos spielen nur eine untergeordnete Rolle. All dieser „wertvolle“ Popanz mag sich glitzernd über ein Leben legen, hier und dort Bequemlichkeit und Wärme versprechen. Doch er ist belanglos, solange wir nicht frieren, der Bauch zur Genüge gefüllt ist und ein warmer Blick das Herz sanft umspielt.
Dinge, die über diese Grundbedürfnisse hinausgehen, von den geldgierigen, kalten Mündern der Werbung in Superlativen groß geredet werden, können keine warmen Beziehungen ersetzen. Schon garnicht die Beziehung zu uns selber, die zu üben ist. Wer kann anderen Gutes spenden oder mit ihnen Glück erleben, wenn die Person nicht in sich ruht. Mit sich zu“frieden“ oder besser im Frieden ist? Die Beziehung zu mir, ist die erste Beziehung.
Glück – ein eudaimonisches Axiom schon seit Aristoteles – bezieht sich nicht nur auf uns selbst, wie so oft gedacht wird. Es hat immer etwas mit gemeinsamer Aktivität und Handeln zu tun. Rechtes und gutes Handeln, nach bestem Wissen und Gewissen. Voller vertrauen. Oder schlicht gesagt: Wer für sich selber Wärme empfindet, kann diese geben. Wer Wärme empfängt, dem wird warm ums Herz. Wie simpel klingen die drei Wote: Füreinander da sein. Warm handeln, liebe- und vertrauensvoll handeln. In ihrer Umarmung streichelt mich die wonnigen Strahlen der Sonne. Jeder Raureif im Herzen schmilzt. Der strahlende Kreis der Frühlingssonne vertreibt die Kälte. Wie schön. Da. Dasein.
Mit Freude lese ich, dass der Leiter der Studie Zen Meister ist. Kein Wunder, dass seine Augen angefüllt von Liebe sind. Was für ein Glück für ihn und uns.

Angst-System

Ich schaue in den trüben Januarhimmel. Der kurze Satz: „das System ist krank“ schwingt durch meine Synapsen. Ein Satz, oft gehört, oft gesagt. Manchmal als Schlusspunkt, wenn der dümpelnde oder hitzige Wortwechsel ratlos im Argumentationsbrei versinkt. Ja, das Wort System steht für all die Probleme, die uns der glibberige Nachrichtenstrom in seinen bunttrüben Farben vor die Sinne knallt. Lassen wir doch dieses Wort, selbst wenn es durch Begriffe wie „neoliberal“, „kapitalistisch“, „naturzerstörerisch“, „narzisstisch“ – oft zu Recht – geschärft wird. Der Blick auf das „Ganze“ erschließt sich, so vergessen wir oft, im Detail. Dem Detail, das meist der Startpunkt jeder Diskussion ist. Lassen wir den Begriff System beiseite und schauen auf das Wort „krank“.
Eines dieser „Details“ – oder besser gesagt ein Phänomen – rempelt mich in letzter Zeit regelmäßig an. Die zunehmende Wahrnehmung, dass immer mehr Studierende und Menschen in meinem beruflichen und bedauerlicherweise auch im privaten Umfeld mit nicht unerheblichen psychischen Belastungen zu kämpfen haben. Oft in Verbund mit einer zunehmenden Schwierigkeit „professionelle Beratung“ zu bekommen. Die genannte Ursache ist zumeist der „Stress“ in Studium oder Beruf. Studierende, Krankenschwestern, Erzieherinnen, Pflegende, Projektleiter…
Dann sind da auch noch die Befragungen und Hilfsangebote, die das Problem laut von den Wänden oder Tischen schreien. Doch, was nutzen Umfragen und Hilfsangebote, wenn es keine Therapieplätze gibt, um die Betroffenen wieder studier- bzw. arbeitsfähig zu machen? All diese Klitterei ist sinnlos, solange sich die grundlegende Struktur von Verunsicherung und Verlorenheit weiter durch diese Gesellschaft frisst. Was nutzt Pausenyoga, wenn die Pause kaum reicht, den Übungsraum zu erreichen, der Kopf voll von nicht ausgefüllten Formularen ist? Die Angst, es nicht zu hinzubekommen die Seele zerfrisst? Der Druck jeden Schritt zur Qual macht? Die Frage „wie weiter“ im luftleeren Raum des immer mehr sinnlos schaffen und raffen zu müssen verhallt.
Die „Therapie- und Gesprächsangebote“ zeigen auf, dass es erstens schwerwiegende Probleme gibt. Prekariat, Leistungsdruck, Bürokratisierung die verwirrt und an den Nerven nagt, Unsicherheit um die eigene Zukunft und Vereinsamung. Zweitens zeigt sich das Fehlen an wirklichen Angeboten und Möglichkeiten zu sich selber zu kommen. Wo sind die Menschen, die „Stop“ rufen, den Weg zur großen Gesundheit weisen, damit sich die Gepeinigten selbst zu überwinden helfen. Ohne Markt, Wettbewerb, Einpreisung, Bewertung… Ein wenig Atem holen in der gerasterten Pause vertreibt die trübdunklen Wolken nicht. Um zu aufrecht zu stehen benötigen wir Übung und Praxis. Wie das Kleinkind, das nach jedem Taumel und Fall wieder aufsteht und weiter übt. Den nächsten Schritt wagt. Es hat Zeit, kann sich die Zeit nehmen. Kein Plan, keine Prüfung, kein Chef und kein Formular rufen und vernebeln den Kopf.
An sich gibt es nur eine Lösung – Wu Wei – „Nicht handeln“ im Sinne von aussteigen. Das System hinter sich lassen und nach gesunden Beziehungen schauen, in denen jemensch sich aufgehoben fühlt. Eine warme Höhle der Ruhe. Ruhe bedeutet Zeit haben. Was für viele vor dem Dauerburnout oder im depressiven Loch steckende extrem schwierig ist. Das System versucht jeden, der diesen Schritt versucht am langen Arm verhungern zu lassen. Ein bisschen Pausenberatung oder -bewegung muss reichen.
Eine wirkliche Befreiung durchzuführen bedarf hingegen, wie bei jeder Praxis, Geduld, Ausdauer, Konzentration und Willenskraft. Da helfen all diese Befragungen und Angebote, die nur den Marktwert wiederherzustellen sollen, nichts. Die Kraft muss von innen kommen.

Getrieben

Ich war lange genug ein getriebener. Die fordernden Gedanken folgten den Forderungen des Alltags. Doch wohin treibt es uns. Letztendlich in den Tod. Zwischen dem Jetzt und dem alles verändernden Moment , ebendiesem nicht benennbaren Moment des „Da“, gibt es nur eins. Die Meisten würden sagen „Zeit“. Zeit die verrinnt. Doch was ist das, verinnende Zeit? Blicken wir auf eine Sanduhr. Feiner Sand rieselt durch den engen Hals. Korn um Korn, bis sich im oberen Glas gähnende Leere zeigt. Wir stehen immer an der unendlich engen, fast nicht vorhandenen Stelle der Ruhe vor dem Fall. Dort scheint der Sand zu verharren, um dann unerbittlich in den unteren Teil zu stürzen. Er erscheint fest. Diesen kleinen Punkt, diesen Moment versuchen wir festzuhalten, zum Beispiel mit Fotos. Warum?
Doch meist rieseln wir einfach um uns zu verlieren. Wie die feinen Körner. Alles Schwachsinn. Wir sollten das Rieseln, die Bewegung, das Leben anschauen, genießen, in ihm sein. In der Dauer, im Jetzt. Jeder Moment ist wie der Folgende oder der Vergangene. Sei er noch so klein. Einfach wunderbar.
Endlich wären wir das vorher und nachher los, dass uns Sorgen bereitet, Leid bereitet, ablenkt, antreibt.

Bewegen

Ich gehe. Nur so. Meine Sohlen spüren den warmen Boden – oder kühlere Stellen; kleinen Steinchen, das weiche Gras, den nachgiebigen Sand. Ich bin nur da. Jetzt ist immer. Tausendfach beschrieben. Selten bewusst wahrgenommen. Die meiste Zeit rennen wir, die Umgebung löst sich in rauschende Streifen auf. Wie bei einer Langzeitbelichtung, nichts ist da, alles im Rauschen verschwommen.
Zivilisation. Die Füße sind abgeschirmt. Da ist der Beton, darunter Kabel, Schotter. Irgendwann kommt das, so vermute ich, was mal die Erde war. Versiegelt, zernagt, durchwühlt, verdreckt, befleckt… Auf den kalten, glatten und quadratisch angeordneten Betonplatten die Plastiksohlen. Den Sohlen folgt das Fußbett, die Einlagen, die Socken. Fast eingemauert der Fuß in seinem genormten Industriebett.
Bewegungslos rast das Bewusstsein durch den Raum. Drüber, drunter, hindurch, omnipräsent. Bewegung, die nur so tut,, als ob sie Bewegung ist. Virilio schrieb mal vom rasenden Stillstand. Dem rasenden Stillstand der Technologie. Kalte Oberflächen, rasante Bildwechsel, Töne, Texte. Der Körper spielt keine Rolle, der Geist isoliert im apathischen Taumel. Rausch, Datenrausch, Kaufrausch.
Ich lese den Artikel über den Jakobsweg. Von den Beschwerden der Bewohner einst beschaulicher Dörfer, in denen die Pilger nach vollendeter Tagesstrecke Party machen. Laut und verloren. Sie werden sich nie finden, auch wenn sie meinen einem Weg zu folgen. Erstarrt im Rausch.
Es beschleicht mich das Gefühl, dass das Einfache nur noch einfach, sprich banal geworden ist. Durchschnittlich. Das elende „man“ von Heidegger („man macht das so oder so…“) Eindimensional ist die Sklavenmoral der letzten Menschen (Nietzsche). Wer durchschnittlich durch diese Plastikwelt rauscht, kann nicht da sein. Kommt nie bei sich selbst an. Kreuzfahrten, Shoppingtrip, Karierre, Menschen konsumieren, Befreiungstrip, Yogaworkshop, Pilgerpfad, Geplapper und Geschwätz, gestopftes Wissen. Wo ist das Studium? Das Verweilen in der Bewegung? Das Sein? Nichts scheint mehr es selbst zu sein. Wer erkennt sie noch? Die Einfachheit, das reduzierte sinnliche Sein des da. So einfach und doch so schwer zu ergründen.

Freiheit im Fluss

Wie Treibholz werden wir alltäglich vom Fluss der Zeit vorangezogen. Mal schneller, mal langsamer. Dieser Strom zernagt alles fest geglaubte. Aus Felsen wird Sediment, wird Felsen. Immer anders, immer neu. Frei fließt der Fluss, in sein Bett eingezwängt. Doch immer wieder sprengt er die Grenzen seines Laufes, versickert oder braust nicht geahnte Wege. Unaufhaltsam verändert er seinen Pfade. Freiheit ist zuallererst die Freiheit etwas zu ändern. Schon ein aktiver Schritt zur Seite öffnet neue Horizonte.
Das einengende Bett der Menschen sind die Gedanken, sind die Schemata, die gewohnten Denkbahnen. Woher immer sie kommen. Familie, Ereignisse, Beziehungen, Staat, Kultur, Religion… die Ursachen für sich egal. Vergangen, versandet. Es geht darum, die Verhaltensweisen zu entdecken, zu benennen, die Dämonen hinter sich zu lassen. Ja, manche sind kraftvoll, erscheinen fest, unüberwindlich wie ein betonierter Kanal. Andere hingegen sind porös und flexibel wie ein weiches in Sand und Schotter gegrabenes Bett. Ein aktiver Fluss findet immer seinen Weg. Sickernde Feuchtigkeit, hauchfeine Rinnsale schreiten langsam und geduldig voran. Manchmal drängt der Strom stürmisch und unaufhaltbar über die Ufer. Selbst, wenn die Tropfen versickern, versanden – immer neues Wasser sucht unbekannte Wege. Dann, überraschend stürmt die Flut heran und keine Barriere verstellt den Weg. Alles ist neu.

Herbstgefühle

Ich erahne das Gefühl der Liebe in mir. Spüre ihm nach. Dem warmen Strahlen, das vom Bauch aus durch den Körper oszilliert, die Muskeln entspannt, den Körper tanzen lässt, ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Die fröhliche Zufriedenheit, wenn die Augen sich verklärt mit der Welt verbinden, jeder Atemzug ein wohliges Gefühl hinterlässt. Locker, leicht, lässig, von einer sanften Spannung umhüllt. Ich greife es, umhülle mich mit ihm, genieße es. Ohne Objekt.
Politik, die Welt, die Zukunft versucht hingegen immer ein schleimiges Gespinst über die Gedanken zu legen. Glitschig, transparent, fast unsichtbar, jedem Zugriff ausweichend, unheimlich, kalt und heiß zugleich. In ihm blitzen Splitter auf, der Nachhall von Informationen, die durch die Welt rasen, verdampfen, kurz ihre Hitze entfalten. Dann verflüchtigen sie sich. Zum Glück.
Die Stimmung mit liebender Wärme zu durchtränken, sich heimelig und wohl in sich und mit anderen fühlen: Das einzige Rezept gegen die kalte Welt da draußen. Wie eine Wärmflasche, ein gutes Buch, ein kuscheliges, geteiltes Bett im frostigen Winter. Was ficht mich dann der kalte Wind an? Wie vermögen es dann die dürren, kahlen Äste, die wie gierige finger in den goldenen Himmel greifen, krallen, mich zu erreichen. Sollen die verwirrten einsam leblosen Reichtum sammeln, an ihrem Machtstreben, ihrer Wichtigtuerei ersticken. Was kümmert es mich?
Dann das sitzen auf einem Kissen; zentriert, entspannt bei sich seiend, präsent. An nichts mehr gebunden sein. Ohne etwas oder jemanden zu verlassen. Der Moment, in dem der Winter schön wird, bleibt das kalte, dumm-wahnsinnige Geblubber der Politik draußen. Ausatmen.

Ver-fall

Warme Herbstsonne kitzelt das Gesicht. Ruhe, wonnige Ruhe. Ein leichtes, schabendes Rascheln von oben, dann ein sanftes Auftreffen unten, auf dem Boden. Abermals. Mal lauter, mal leiser, dann kaum vernehmbar ein weiteres. In die Lücken zwischen der Leere meiner Gedanken mogeln sich Gefühle, Worte, Sätze die sich wie Haikus anfühlen. Ja!, das ist die Zen-Stimmung, aus der diese komprimierten Empfindungszeilen gewachsen sind. Schwere, wohlige Ruhe im Fall, Verfall. Ein weiteres Blatt, schwach vernehmbar trifft es auf den Boden. Ich sehe es nicht, denn ich bin bei mir. Mein Ohr ahnt die Berührung in Bewegung hin zur Stille. Pause. Alles geht vorüber. Der nächste Atemzug.

Einstieg in den Ausstieg

Meine Zeit ist der Zucker des Lebens. Jede Sekunde, jede Millisekunde ist ein unermesslicher, einmaliger, wohlschmeckender Schatz. Doch dann schleichen sie sich an. Kaum in Sichtweite schreien sie, fordern – die Termine. Wie Ameisen. In großer Zahl stürzen sie sich auf freie, unbesetzte Momente, schnappen, greifen zu, zernagen und verzehren die Zeit. Willkommen im Alltag, willkommen in der Arbeitswelt. In der genormten und künstlich gerasterten Welt. In der vollen, eckigen, zugemauerten, betonierten, lauten Plastikwelt.
Kaum angekommen regen sich in mir Fluchtreflexe. Trotz so manchem schmackhaften Zusammentreffen mit fantastischen Menschen zu hirnbewegenden Themen. Unter Anderem in einem Zelt, einer Jurte, eingekesselt von den systematisch entlebten Mauern. Schöne Momente drohen unter der digitalen Flut belanglosen Geplappers unterzugehen. Qualitative Momente werden von den Ergüssen der Tabellen und Listen erstickt, die bedient werden wollen. Das Berechnende hat sich in alle Ecken der Welt verteilt, greift die Köpfe an. Ohne Gnade wird Zeit geraubt. Erneut denke ich an die grauen Männer aus Momo, mit ihren Zigarren. In meinem Bauch regt sich Ekel, Abscheu, Abwehr. Tief atmen und die Beklemmung löst sich in einer schwarzen Wolke auf. Ich bin professionell, lebendig genug, den Getriebenen freundlich und offen zu begegnen. In dem Wissen, dass der Ausstieg absehbar ist. Dann können mich all die Ameisen mal. Sollen sie in ihrer gekästelten Welt weiterhin fleißig in den Kalendern und Tabellen den Zucker jagen.
Ich schaue auf den Regen, der langsam, kaum sichtbar die sehnsüchtige Erde benetzt. Zeit für einen gemächlich bedenklichen Spaziergang zu früher Stunde. Ich werde versuchen auf jeden Schritt zu achten, den Blick klar, aufmerksam in die Welt schweifend. Die Unregelmäßigkeit der Natur genießen, die Welt genießen, den neuen Tag, der mir geschenkt wurde genießen.

Fest

Nach dem Kloster hört die asphaltierte Straße auf. Der vierradgetriebene Geländewagen, der sonst Weinkisten, Oliven und Material auf und von den Feldern transportiert, steuert souverän über die enge, sandige, steinige Piste. In dieser und jener Serpentine hat so mancher Sturzregen seine Spuren hinterlassen. Durch Kurven, mit kurzem Gruß und ein paar Worten zum gelassenen Schäfer an der improvisierten Hütte vorbei, geht es hinunter in das tiefe Tal. Hier und dort klettern Ziegen in den steilen Hängen oder chillen im Schatten. Am Gebäude mit Unterstand, das aus rohen Steinen zusammengefügt wurde, werden die Stühle, Getränke, das Gemüse für den Salat und vom Dorfschlachter erstandenes, lokales Fleisch ausgeladen. Dann wird der Grill aus umliegenden Steinen improvisiert. Feiern mit einheimischen und deutschen Freunden, auf kretische Art. die Kinder tollen herum, hüpfen in der kaum bevölkerten Bucht ins Wasser, klettern auf Felsen oder inspizieren die schattige Höhle weiter oben an der Steilwand.


Katzen oder sanft bimmelnde Ziegen schauen vorbei und machen sich über die Gemüsereste her. Ich sitze auf einem Fels. Wellen lassen die Steine am Ufer immer wieder leise klackern. Gen Horizont am Felsen brechen sich ihre großen Brüder des offenen Meeres. Nach dem morgendlichen kurzen Regenguss mit Regenbogen brennt die Sonne erneut auf die trockene Landschaft. Ich genieße das Tief, die entspannte Gemeinschaft, den „greek talk“ und das auf den Punkt gebrachte Dasein.

Weinlese

Trinken, trinken, trinken. Der Körper stößt jeden Milliliter Wasser bei 36 Grad und körperlicher Arbeit sofort aus. Die Frische des frühen Morgen ist gewichen. Jetzt, nach vier Stunden, brennt die Sonne. Die nächste Traube glitzert dunkelrot durch das Grün, verwickelt im Stock. Ihr kleiner Ansatz verborgen im Gewirr der Blätter und Reben. Klack, sie fällt in die freie Hand, wird sanft zu den schon geernteten in die Kiste geworfen. Daneben die Nächste. Ein paar Meter weiter – klack, klack, klack. Eine Reihe nach der Anderen lassen wir hinter uns. Wir, die Hilfsarbeiter und Freunde des Besitzers. Hier und dort ein Gespräch, gut gelaunte Tätigkeit. Trotz der Anstrengung. Zwischendrin, im Schatten, Pause nehmen. Trinken, trinken, trinken.
Die un- oder falsch trainierten Muskeln im Rücken rumoren. Sie Halten durch, versehen ihren Dienst. Ich fühle mich geerdet. Spüre Demut, den Respekt vor den Menschen, die Tag aus und Tag ein die Flur bestellen, säen, Brunnen bohren, Bewässerungen legen, pflegen, ernten…. Ein rauer Alltag, so widerborstig wie das hakige Gras, dass sich im schwarzen Stoff meiner Schuhe festbeißt. Hier ist nichts glatt wie die spiegelnde, knisternde Plastikverpackung im Supermarkt. Keine Ware. Ein Produkt, das Mühe und Arbeit in sich trägt.
Eine große Anstrengung, die wie jeder Kraftakt dem man sich stellt, mit einer tiefen Freude und Erfahrung belohnt. Dabei tritt das Tun, das fließt, bis es erledigt ist, in den Hintergrund. Es geht um das Miteinander, die Beziehungen zwischen den Menschen zur Natur, zu sich selbst.
Ein Lächeln huscht über mein Gesicht, als wir am Nachmittag völlig erschöpft „chillen“.